Sand in Sicht

13. Februar 2014, 05:30
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Für griechische Verhältnisse ist es eine kleine Sensation: Erstmals seit Jahrzehnten kauft ein Ausländer eine Insel – mit einem Kunstgriff

In Griechenland gibt es seit einigen Jahren eine Sorte von Immobilien in Hülle und Fülle zu kaufen, die sonst zu den eher seltenen Kaufobjekten auf diesem Markt gehört: Inseln. Angaben der griechischen Tourismusorganisation EOT zufolge verfügt der griechische Staat über 6.000 Inseln und Inselchen im Ägäischen und Ionischen Meer. Nur 227 von ihnen sind bewohnt, 60 befinden sich im Privatbesitz von Konzernen, Familien oder Investoren. Viele stehen unter Naturschutz und dürfen nicht bebaut werden.

Im Prinzip kann jeder in Griechenland kaufen, unabhängig von seiner Staatsangehörigkeit. Es gibt nur zwei Ausnahmen: Inseln im Grenzbereich oder in der Nähe militärischer Anlagen sind – zumindest für außereuropäische Interessenten – tabu. Farhad Vladi ist Inselmakler und seit 1971 im Geschäft. Vladi Private Islands verkauft und vermietet Inseln für fast jeden Zweck, in fast jeder Form und Größe, zu fast jedem Preis. Griechenland nimmt darin allerdings eine Sonderstellung ein. 32 staatliche Genehmigungen braucht es, um sich den Traum vom eigenen Eiland zu erfüllen. "Versuchen Sie es", meint Vladi gegenüber derStandard.at, "ich wünsche Ihnen dabei viel Glück". Der Makler muss es wissen. Denn alle Träume waren bislang auf Sand gebaut: Mehr als fünf Genehmigungen, mehr als fünf Hürden hat noch kein Ausländer geschafft.

Oxia allerdings, idyllisch im Ionischen Meer rund 1.500 Meter vor dem Festland gelegen, besticht nicht etwa mit epischen Ausmaßen, sondern mit ihrem neuen Besitzer. Der etwa  4,2 Quadratkilometer kleine Felsklumpen ist die erste griechische Insel, die seit dem Zweiten Weltkrieg tatsächlich an einen Ausländer verkauft wurde. Eigentümer seit zwei Jahren ist niemand geringerer als Hamad bin Khalifa al Thani, seines Zeichens Scheich von Katar. Vladi: "Der Scheich konnte den ganzen Ausländerprozess umgehen, indem er der griechischen Regierung fünf Milliarden Euro Staatshilfe zukommen ließ." Sprichwörtlich im Handumdrehen ging die Insel somit in seinen Besitz über.

Italien kauft ein

Doch die Krisenjahre haben auch am Inselmarkt Spuren hinterlassen. Längst gehören die Kunden nicht mehr in der Hauptsache einem erlauchten Milliardärszirkel an. Die niedrigen Preise bewirken vielmehr, dass immer häufiger Nature Trusts, Nonprofit-Organisationen oder Staaten Inseln kaufen. Bei letzteren sind es zuweilen auch solche, von denen man es aufgrund ihrer wirtschaftlichen Lage nicht sofort vermuten würde: So wird beispielsweise ein australischer Geschäftsmann von der italienischen Regierung ausgestochen, als er 2013 Budelli erwerben will. Rom macht von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch und blättert 2,5 Millionen Euro für die Insel vor Sardinien hin.

Und ein weiterer Trend zeichnet sich ab: Statt zu kaufen, wird gemietet. Vladi, in dessen Kundenkartei sich auch Namen wie Johnny Depp, Nicolas Cage oder Diana Ross finden: "Auch viele Prominente verkaufen ihre Inseln wieder. Eine Frage der Sicherheit und eine Maßnahme gegen die Papparazzi – wenn die Öffentlichkeit erfährt, wo sie sind, sind sie schon wieder weg." Rund 2.500 Inseln hat Vladi in den vergangenen vierzig Jahren verkauft, allein im vergangenen Jahrzehnt jedoch  circa 29.300 vermietet. Wird gekauft, dann zu sehr niedrigen Preisen. Und -  Vladi nennt es den "Tod einer Insel" - es wird immer häufiger parzelliert. Allen Island (Washington State) ist ein solches Beispiel: So findet Microsoft-Mitgründer Paul Allan erst nach Jahren der Suche und mehreren Anläufen einen Käufer. Doch anstelle der erhofften 25 Millionen Dollar für die Insel (die nebenbei erwähnt schon 150 Jahre länger diesen Namen trägt als er), muss er sich letztendlich mit acht Millionen begnügen. Heute gehört die Insel einer Naturschutzorganisation und ist in Kleinstparzellen zerstückelt. "Die Inseln verschwinden so für immer vom Markt, das wird den Kreis der Käufer in Zukunft wesentlich exklusiver machen", so Vladi. Bis es so weit ist, dürften aber noch zwei, drei Jahre vergehen.

Die Insel und das Testament

Bis dahin heißt es für den Makler durchtauchen. Die US-amerikanische Nachfrage liege derzeit ziemlich am Boden. In sonst sehr nachgefragten Gebieten wie den Bahamas habe er in den letzten Jahren nur eine einzige Insel verkaufen können. Der Staat Kanada hingegen erwarb im gleichen Zeitraum 14 Inseln von ihm.

Eine Insel, die eigentlich gar nicht zu haben ist und dennoch einen Käufer hat – auch das gibt es. Athina Onassis, Turnierreiterin und Milliardenerbin, versucht seit geraumer Zeit die familieneigene Insel Skorpios zu verscherbeln. Das, obwohl das Testament von Großvater Aristoteles den Verkauf untersagt. Bill Gates oder Giorgio Armani waren bislang nicht die einzigen Interessenten. Eine willige Käuferin für die Insel samt Onassis-Grabstätten und -Gebeinen ist die russische Milliardärstochter Jekaterina Rybolowlewa. Ihr soll ein Pachtvertrag über 99 Jahre ausgestellt worden sein. Eine Klage wegen möglicher Umgehung des Testaments ist anhängig.

"Eine Insel hat keine Hausnummer, eine Insel hat eine Seele", heißt es bei Vladi Private Islands. Vielleicht mit ein Grund, weswegen Vladi Angelina Jolie und Brad Pitt jüngst eine Insel in Herzform angeboten hat. (ch, derStandard.at, 13.2.2014)

Farhad Vladi ist Inselverkäufer und Kunsthändler der Natur, Geschäftsführer und Inhaber von Vladi Private Islands mit Sitz in Hamburg, Halifax (Kanada) und Schanghai. Derzeit hat er rund 300 Kauf- und 220 Mietobjekte im Angebot, dazu gehören neben Privatinseln auch zahlreiche See- und Ozeangrundstücke, aber auch Villen und Chalets. Kürzlich erschien sein Bildband "Swiss and Alpine Islands".

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Vladi Private Islands

  • North Island, Seychellen, Flitterwochen: Farhad Vladi vermietete die Insel einst den jungen Windsors William und Kate.
    foto: ap/dana allen/wilderness safaris

    North Island, Seychellen, Flitterwochen: Farhad Vladi vermietete die Insel einst den jungen Windsors William und Kate.

  • Die Preise für Inseln sind im Keller - statt zu kaufen, wird gemietet. Der Markt wird kleiner, die Kundschaft künftig exklusiver.
    foto: ap/mike myers/wilderness safaris

    Die Preise für Inseln sind im Keller - statt zu kaufen, wird gemietet. Der Markt wird kleiner, die Kundschaft künftig exklusiver.

  • Artikelbild
    foto: ap/andrew howard/wilderness safaris
  • Skorpios im Ionischen Meer ist in Privatbesitz.
    foto: apa/epa/maanolis patakakis

    Skorpios im Ionischen Meer ist in Privatbesitz.

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