Aufstand in der katholischen Kaderschmiede

11. Februar 2014, 15:38
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An der Katholisch-Theologischen Privat-Universität in Linz gärt es: Dem Rektor wird von mehreren Seiten ein "autoritärer" Führungsstil vorgeworfen

Linz – Ranghohe Mitarbeiter, die aus Protest ihre Führungspositionen zurückgelegen, eine Assistentenstelle, die nach 18 Jahren plötzlich nicht mehr verlängert wird, Krisengespräche im Linzer Bischofshof – an der Katholisch-Theologischen Privat-Universität (KTU) Linz hängt der Haussegen seit geraumer Zeit gewaltig schief. Im Mittelpunkt der Kritik steht Rektor Ewald Volgger. Ihm wird, vor allem rund um die geplante Neuausrichtung der Privat-Uni ein allzu autoritärer und konservativer Führungsstil vorgeworfen.

Das Haus an der Linzer Betlehemstraße steht derzeit vor einer Umstrukturierung: Eine ab dem Wintersemester 2014/15 angestrebte Zwei-Fakultäten-Struktur sieht vor allem die Erweiterung der Philosophie mit Schwerpunkt Ethik sowie die Ausweitung der Kunstwissenschaft vor. Durch die Einrichtung neuer Lehrstühle wird man künftig auch ein eigenständiges Philosophiestudium anbieten können.

Die Wachstumspläne werden zwar prinzipiell vom Kollegium mitgetragen, im Detail spießt es sich aber gewaltig. "Es geht nicht um die großen Inhalte. Vielmehr darum, wie miteinander umgegangen wird. Wie man zu Entscheidungen gelangt. Wir waren immer ein offenes Haus mit einer breiten Diskussionsbasis. Doch Kritiker werden plötzlich nicht mehr gehört", ärgert sich Michael Rosenberger, bislang stellvertretender Rektor, im Standard-Gespräch. Der Moraltheologe hat ebenso wie die Leiterin des Instituts für Kunstwissenschaft und Philosophie Monika Leisch-Kiesl die Leitungsfunktion abgegeben. Rosenberger: "Rektor Volgger hat seine Vorstellungen betreffend der Neuausrichtung, und von denen will er nicht abweichen. Auch wenn wir trotz Diskussion wahrscheinlich zu einem fast ähnlichen Ergebnis gelangt wären. Jetzt ist der Bischof gefordert, wieder für ein gedeihliches Miteinander zu sorgen."

"Enormer Druck"

Artur Boelderl war 18 Jahre Assistent an der KTU, im Vorjahr wurde seine Stelle nicht mehr verlängert: "Die Art und Weise, wie eine Minderheitenmeinung zu einer Mehrheitsmeinung gemacht wurde in den letzten zwei Jahren, ist schockierend. Es war ein interner Entscheidungsprozess, der mehr als deutlich gelenkt wurde." Boelderl sieht sich als Opfer dieses "autoritären" Stils: „Man hat enormen Druck ausgeübt. Da wurden Kollegen zu einem Mitarbeitergespräch zitiert, wenn sie ihre Ohren zu sehr bei den Studenten hatten." Vor dem Arbeitsgericht hat Boelderl in erster Instanz verloren, geht aber jetzt in Berufung.

Rektor Ewald Volgger wehrt sich auf Standard-Anfrage gegen die Kritik: "Laut KTU-Statut kann jemand eine Assistentenstelle nur maximal 18 Jahre besetzen. Die Trennung von Boelderl war also keine Böswilligkeit von mir, sondern ein regelkonformer Vorgang." Auch will Volgger das Haus nicht "autoritär" führen: "Ich bin bei den Entscheidungen für die Neuausrichtungen nicht allein durchmarschiert. Es gab einen Mehrheitsbeschluss in der Professoren-Kurie. Daran habe ich mich als Rektor zu halten." Da einzelne Professoren und Amtsträger sich diesen Entscheidungsinhalten nicht zur Gänze anschließen könnten, sei es "eben eine Möglichkeit, dass sie auch ihre Funktionen in der Leitung zur Verfügung stellen". (Markus Rohrhofer, derStandard.at, 11.2.2014)

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