Teile der in Kopenhagen getöteten Giraffe werden an der Uni Wien untersucht

11. Februar 2014, 13:12
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Empörung über Tötung eines Jungtieres - Wiener Forscher wollen Stimmproduktion von Giraffen analysieren

Wien/Kopenhagen - Die Tötung eines gesunden Giraffenkalbs im Kopenhagener Zoo wegen Inzuchtgefahr hat in Dänemark und weit darüber hinaus für Aufregung und Proteste gesorgt. Das eineinhalb Jahre alte Giraffenkalb war Sonntag früh getötet worden, weil der Zoo nach eigenen Angaben keine Alternative dazu sah. Mitarbeiter des Zoos erhielten daraufhin sogar Morddrohungen. Der Tierpark gehört zur Europäischen Zoo- und Aquarienvereinigung (EAZA), für die ein strenges Zuchtprogramm für Giraffen gilt, das nur Paarungen zwischen nicht miteinander verwandten Giraffen erlaubt.

Damit soll die genetische Vielfalt der Population erhalten bleiben. Marius fand den Angaben zufolge in keinem der rund 300 EAZA-Zoos Aufnahme, weil dortige Giraffen ähnliches Genmaterial aufwiesen. Eine solche Vorgehensweise wäre übrigens laut Thomas Voracek, Fachtierarzt im Tiergarten Schönbrunn, auch im Tiergarten Schönbrunn in Wien möglich.

Dänen verteidigen Vorgehen

Nach der anfänglichen Empörung gehen die Befürworter der Aktion inzwischen in die Offensive. Viele Dänen rechtfertigten am Montag den tödlichen Bolzenschuss wegen Inzuchtgefahr und warfen den Kritikern Heuchelei vor. Der Journalist Kristian Madsen von der Zeitung "Politiken" etwa stellte auf Twitter die ironische Frage: "Was glauben die eigentlich, was Löwen an einem Tag ohne solch einen Leckerbissen wie Marius fressen? Kohlsprossen?" Peter Sanddoe, Professor für Bioethik an der Universität Kopenhagen, spottete über die "Disneyfizierung" niedlich wirkender Tiere in Zoos. Diese würden "als eine Art Bürger betrachtet, die auf Augenhöhe mit ihren menschlichen Genossen behandelt werden sollten". Dänemark sei aber eine traditionelle Agrarnation und die Tierschutzbewegung längst nicht so stark ausgeprägt wie in Großbritannien oder den USA - weshalb die anfängliche Empörung nun eben ins Gegenteil umgeschlagen und die Befürworter der Tötung in der Mehrzahl seien.

Körperteile werden an Uni Wien untersucht

Körperteile der getöten Giraffe sollen nun in Wien untersucht werden. Die Forscher wollen mit ihrer Hilfe die Stimmproduktion von Giraffen ergründen. Der Kopenhagener Zoo überlässt der fünfköpfigen Forschungsgruppe des Departments für Kognitionsbiologie Zunge, Zungenbein, Kehlkopf und zwei bis drei Trachealringe der Giraffe. "Wenn ein Tier getötet werden muss, wäre es schade, wenn es nicht für die Wissenschaft verwertet wird. Solche Präparate sind nicht so oft zu bekommen", sagte die Zoologin Angela Stöger-Horwath, die Leiterin des Forschungsprojekts.

Die Forscher wollen herausfinden, ob und wie Giraffen akustisch kommunizieren. Erwachsene Giraffen seien sehr still und würden nicht vokalisieren, erklärte der am Forschungsprojekt beteiligte Stimmforscher Christian Herbst. "Wir wollen verstehen, wie das Ganze funktioniert und was dabei physikalisch und physiologisch passiert", sagte der Wissenschafter. (APA/red, derStandard.at, 11.2.2014)

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