Zehn Kampagnen 2013 vom Werberat zum Stopp aufgefordert

11. Februar 2014, 13:27
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Die meisten Beschwerden betreffen wieder geschlechterdiskriminierende Werbung - Werberat auch aktiv gegen Werbung auf illegalen Onlineseiten - Neues Online-Tool "Retusche-Barometer"

Wien - Nackte Frauenköper mit Mascherl, Hornbach-Hammer oder zu dünne Models: 211 Beschwerden gingen 2013 beim Österreichischen Werberat ein, zu 145 Fällen wurde eine Entscheidung getroffen. Die meisten Beschwerden betreffen geschlechterdiskriminierende Werbung, gefolgt von Werbung, die gegen Ethik und Moral verstoße, vor Irreführung und Täuschung. Zehnmal hat der Werberat 2013 Unternehmen aufgefordert, die Kampagne zu stoppen. Beanstandet wurden unter anderem Bet-at-Home.com, X-Link, Steirer TV Sender oder Platzer Transporte.

17 Mal wurden die Unternehmen aufgefordert, in Zukunft sensibler bei Werbemaßnahmen vorzugehen. Die meisten von den 145 Entscheidungen betreffen TV-Spots (32), gefolgt von Plakat (27) und Printanzeigen (27). 18 Entscheidungen wurden 2013 zu Werbung im Internet getroffen.

Unternehmen "meist einsichtig"

"Bei den meisten Entscheidungen, die mit einem Stopp oder einer Sensibilisierung belegt wurden, zeigten sich die werbetreibenden Unternehmen einsichtig und entfernten das beanstandete Sujet", sagt Roswitha Hasslinger, Vizepräsidentin des Werberats. Ob eine Kampagne mit einem Stopp belegt, zu sensiblerem Vorgehen aufgefordert oder kein Grund zum Einschreiten besteht, entscheiden derzeit rund 160 Werberäte. Der Werberat wird weiterhin nicht für partei- und wahlpolitische Werbung zuständig sein, sehr wohl aber für Information durch öffentliche Stellen des Bundes und des Landes.

Projekt "Junge Werberäte"

Um auch die Sicht von jungen Menschen auf Kampagnen kennenzulernen, hat der Werberat das Forschungsprojekt "Junge Werberäte" gestartet. Aktuell sind 43 junge Werberäte aktiv und entscheiden parallel mit den amtierenden Werberäten über Kampagnenbeschwerden. Im März sollen erste Ergebnisse vorgestellt werden. Werberat-Präsident Michael Straberger: "Es gibt durchaus Unterschiede in der Wahrnehmung." Die jungen Werberäte seien teilweise durchwegs kritischer als die etablierten Kollegen.

Gegen Werbung auf illegalen Onlineseiten

Weitere Neuerungen betreffen Werbung im Internet. Der Werberat will sich für eine verantwortungsbewusste Werbeplatzierung im Netz einsetzen und hat dafür eine Offensive zum Thema "Werbung auf illegalen Online-Seiten" gestartet. Hier will man werbende Unternehmen darauf hinweisen, dass ihre Werbung in einem rechtswidrigen Umfeld geschaltet wurde und verhindern, dass diese Plattformen Werbegelder erhalten.

Im Rahmen diese Initiative arbeitet der Werberat mit dem Verein für Anti-Piraterie der Film- und Videobranche und dem Verband der Österreichischen Musikwirtschaft zusammen. "Werbung auf illegalen Webplattformen ist per se unethisch", sagt dazu Werner Müller, Geschäftsführer des Fachverbands Film- und Musikindustrie und Vorstandsmitglied des Werberats. Es sei auch im Interesse der Unternehmen, auf diesen Sites keine Werbung zu schalten.

Retusche-Barometer

Gemeinsam mit dem Frauenministerium hat der Werberat ein interaktives Tool entwickelt, den sogenannten "Retusche-Barameter". Vor allem Schülern und Jugendliche soll damit gezeigt werden, wie Fotos nachträglich verändert werden. Jeder User kann außerdem ausprobieren, wie er einzelne Sujes bewerten würde und sie danach mit den betreffenden Entscheidung des Werberates vergleichen. 

Pro-Ethik-Siegel

"Noch nicht ganz zufrieden" ist Präsident Straberger mit der Anzahl der Unternehmen oder Agenturen, die für das Pro-Ethik-Siegel der Werbewirtschaft registriert sind. Aktuell sind rund 55 Auszeichnungen, darunter Auftraggeber wie Österreichische Bundesbahnen, Casinos Austria, Rewe Group, Raiffeisen Zentralbank Österreich sowie Deichmann oder Herold, vergeben. Bis Jahresende sollen es rund 200 sein.

Ziel sei es, dieses Pro-Ethik-Siegel auch bei der Auftragsvergabe zu etablieren. Straberger: "Künftig sollen nur noch jene Agenturen bei Ausschreibungen eingeladen werden, die das Pro-Ethik-Siegel  als sichtbares Qualitätszeichen zur Verankerung von selbstbestimmter Werbung tragen." (Astrid Ebenführer, derStandard.at, 11.2.2014)

  • Vom Werberat zum sofortigen Stopp aufgefordert: Werbung für steirer-tv.at.
    screenshot: watchgroup-sexismus

    Vom Werberat zum sofortigen Stopp aufgefordert: Werbung für steirer-tv.at.

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