"Schmerz, ein unangenehmes, aber notwendiges Signal"

Interview11. Februar 2014, 11:26
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Schmerz ist ein Alarmsignal des Körpers - Wie Freizeitsportler mit diesem Signal umgehen sollen, erklärt der Salzburger Schmerzforscher Günther Bernatzky

Standard: Welche Funktion hat der Schmerz?

Günther Bernatzky: Schmerz zeigt an, dass etwas nicht in Ordnung ist. Er ist der bellende Wächter der Gesundheit, wie das schon Homer gesagt haben soll. Schmerz ist ein unangenehmes Signal, das aber notwendig ist, um zu überleben. Menschen, die ohne Schmerzsystem geboren wurden, können an Bagatellerkrankungen sterben.

Standard: Was tun, wenn sich das Alarmsignal Schmerz meldet?

Bernatzky: Ich muss herausfinden, was in meinem Körper nicht Ordnung ist. Es geht darum, die Ursachen zu suchen und zu behandeln. Man muss aber auch, so schnell es geht, das Symptom Schmerz beseitigen, damit der Schmerz nicht chronisch wird. Von chronischen Schmerzen spricht man nach etwa drei Monaten. Wichtig ist auch, die Nebenerscheinungen von Schmerzen wie Schlafstörungen oder Stimmungsschwankungen zu behandeln.

Standard: Was würden Sie einem Freizeitsportler mit Schmerzen raten. Soll er vor dem Sport Schmerzmittel prophylaktisch nehmen?

Bernatzky: Nein, ich würde ihm raten, nach den Ursachen des Schmerzes zu suchen. Er soll mit seinem Arzt reden, ob er diesen oder jenen Sport noch weiter ausüben darf und kann oder ob er pausieren soll.

Standard: Der oft gehörte Rat, bei einem lädierten Knie vor dem Sport zwei Voltaren oder Ähnliches zu nehmen, ist falsch?

Bernatzky: Das muss man sich genau anschauen. Bei Gelenks- oder Rückenbeschwerden ist Hinlegen nicht das Richtige. Weniger bewegen schwächt die Muskulatur. Mäßige Bewegung ist wichtig, der Arzt muss aber über die Dosis des Sports und der Medikamente entscheiden.

Standard: Viele Schmerzmittel sind rezeptfrei erhältlich, worauf ist zu achten?

Bernatzky: Da muss man aufpassen: Nicht alles, was man rezeptfrei bekommt, ist auch unbedenklich. Man muss sich beraten lassen, wie lange man etwas nehmen soll und in welcher Dosis. Je früher man mit der Schmerztherapie beginnt, umso besser. Das heißt aber nicht unbedingt, ein Medikament zu nehmen. Wenn sich jemand einen Knöchel verknackst, kann er auch zur Linderung kühlen Topfen auflegen.

Standard: Drohen Spätfolgen beim Einsatz von Aspirin und Co?

Bernatzky: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), das sind häufig verwendete Entzündungshemmer, können Magen-, Nieren- und Leberprobleme auslösen. Daraus können Organschäden entstehen. (Jutta Berger, DER STANDARD, 11.2.2014)

  • Günther Bernatzky (59), Biologe und Schmerzforscher an der Universität Salzburg, ist Leiter des Schmerzinstituts Salzburg.
    foto: günther bernatzky

    Günther Bernatzky (59), Biologe und Schmerzforscher an der Universität Salzburg, ist Leiter des Schmerzinstituts Salzburg.

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