Die Bescheidenheit des ewigen Rapidlers

10. Februar 2014, 19:55
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Der 33-jährige Steffen Hofmann hat im 308. Wiener Derby den Beweis geliefert, noch kein Auslaufmodell zu sein

Wien - Am Tag nach dem Derby hat Rapids Kapitän Steffen Hofmann geruht. Die gesamte Mannschaft durfte blaumachen, die Seele baumeln lassen, zum Beispiel die Olympischen Spiele im Fernsehen verfolgen. Weil sie so brav gewesen ist und die Austria 3:1 geschlagen hat, muss sie erst wieder ab Mittwoch arbeiten. Trainer Zoran Barisic ist Mensch. "Er macht die Sache wirklich gut", sagt Hofmann dem Standard. Als 33-Jähriger steht er über dem Verdacht, ein Schleimer zu sein.

Hofmann hat alle drei Treffer vorbereitet (einmal Freistoß, zweimal Eckball) und jene Kritiker, die ihn als Auslaufmodell bezeichneten, vielleicht nicht bloß gestellt, aber doch zum Schweigen gebracht. Ihm selbst war das kein großes Bedürfnis. "Es geht darum, mir selbst etwas zu beweisen. Und sie hatten nicht einmal unrecht. Es gab einige schwache Partien von mir." Er, Hofmann, habe sich körperlich nicht voll auf der Höhe gefühlt. "Von einem Routinier wird verlangt, dass er die Jungen führt. Ist die eigene Leistung aber nicht konstant, ist das mitunter schwierig. Jetzt war die Vorbereitung perfekt, mir geht es gut. Ich weiß, was ich kann."

Seit rund zwölf Jahren dient Hofmann in Hütteldorf, der Kurzaufenthalt bei 1860 München ist vernachlässigbar. Mehr als 50 Derbys hat er bestritten, jenes vom Sonntag sei ein "schönes" gewesen. "Vor einem Spiel gegen die Austria ist man mit meiner Erfahrung nicht mehr so aufgeregt. Man kennt die Situation. Angespannt ist man trotzdem. Und die Freude über einen Sieg ist im Alter vielleicht sogar größer. Man zeigt sie nicht unbedingt nach außen, es ist mehr eine innere Zufriedenheit."

Hofmann hat zwei Meistertitel erlebt, der dritte muss warten. Red Bull Salzburg hat 18 Zähler Vorsprung, das ist viel zu viel. "Man kann Salzburg nur gratulieren. Das ist wohl die beste Mannschaft, die ich in den zwölf Jahren gesehen habe." Diese Klasse müsse man auch als Gegner respektieren. "Ich sehe das positiv. Dank Salzburg gibt es in der Liga mehr gute Partien." Rapid könne da nur bedingt mithalten. "Es geht um Platz zwei. Der ist für uns möglich."

Gesamtpaket

Die aktuelle Mannschaft habe eine "gewisse Größe", sie sei "jung und talentiert", der Konkurrenzkampf tue dem Gesamtpaket gut. Wie sagte Barisic: "Das Team ist wichtig, Einzelinteressen zählen nicht. Wir beobachten jedes Training. Wer nicht 100 Prozent gibt, wird keine Chance haben."

Hofmann bleibt eine konstante Größe, sein Vertrag endet 2016. Um ihn herrscht ein Kommen und Gehen, so ist der Fußball. Christopher Trimmel wechselt im Sommer ins Ausland. Hofmann sagt: "Man kann ihm nur alles Gute wünschen. Irgendein Junger muss ihn ersetzen. Da mache ich mir keine Sorgen."

Und wie geht es eigentlich der Austria? Trainer Nenad Bjelica verwirrte, als er nach dem Derby behauptete, "dass wir in fast allen Belangen so gut wie Rapid waren. Vielleicht sogar besser." Die Statistik strafte ihn der Fehleinschätzung. Rapid hatte 57 Prozent Ballbesitz, gewann mehr Zweikämpfe (53 Prozent), schoss weit öfter aufs (17 zu 10) und vor allem ins Tor (3 zu 1). Hofmann hat Bjelicas Worte nicht gehört. "Also kommentiere ich sie nicht."

Am Sonntag gastiert Rapid bei der Admira. Hofmann weiß, "dass in der Südstadt Niederlagen nie auszuschließen sind". Es gehe darum, die Leistung vom Derby zu bestätigen. "Ich fühle mich gut. Aber ich bin nicht so wichtig." (Christian Hackl, DER STANDARD, 11.2.2014)

  • Rapids Chef Steffen Hofmann (rechts) hat im St. Hanappi ein sehr schönes Derby erlebt. Zum Unterschied von Austrias Fabian Koch.
    foto: apa/neubauer

    Rapids Chef Steffen Hofmann (rechts) hat im St. Hanappi ein sehr schönes Derby erlebt. Zum Unterschied von Austrias Fabian Koch.

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