Sagenumwobener Tycoon und Innenminister

Kopf des Tages10. Februar 2014, 19:46
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Der bosnische Donald Trump: Fahrudin Radončić

Er wählte dieselbe Taktik wie die anderen bosnischen Politiker und tut so, als wäre er Teil des Protestes und als wäre dieser nicht gegen ihn gerichtet. "Schlag des Volkes gegen die korrumpierte Regierung"  titelte seine Zeitung Dnevni Avaz. Er selbst sprach fast wortgleich vom "Schlag des Volkes gegen die staatliche Mafia".

Der bosnische Sicherheitsminister Fahrudin Radončić versuchte sich in den vergangenen Tagen als Anwalt der Entrechteten und Gedemütigten darzustellen, obwohl er der reichste Mann des Landes ist. "Das sind die Kinder der Eltern, die kein Geld für Brot haben", sagte er über die Jugendlichen, die vergangene Woche teils randalierend durch Sarajevo und andere bosnische Städte zogen.

Diese seine Aussagen heizten weiter diverse Gerüchte und Spekulationen an, er selbst könnte hinter den Randalen stecken. Dafür gibt es allerdings keinerlei Beweise. Radončić ist aber nicht von ungefähr eine der schillerndsten und gleichzeitig geheimnisvollsten politischen Figuren in dem kleinen Balkanstaat. Und das, obwohl seine reale Macht als Sicherheitsminister beschränkt ist: Er kann wegen der komplizierten Strukturen nicht einmal den Einsatz der Polizei bei den Demonstrationen beeinflussen.

Radončić wurde in Montenegro geboren, arbeitete in jungen Jahren als Journalist und wurde während des Kriegs in Bosnien-Herzegowina (1992–1995) zum Sprecher der bosnischen Armee, die von Bosniaken dominiert war. Nach dem Krieg baute er aus dem Nichts  ein Medien- und Firmenimperium auf. Dazu gehört die größte Tageszeitung des Landes, Dnevni Avaz, die er, als er 2012 Minister wurde, offiziell übergab. In seiner Druckerei werden auch die Konkurrenzprodukte gedruckt. Der 56-Jährige hat auch das größte und ziemlich phallisch geformte Gebäude des Balkans errichten lassen: Der Avaz Twist Tower ist mit 176 Metern das Symbol für seine Macht. Aber auch seine Feinde (der Chef der Brauerei Sarajevo, Hilmo Selimović) und seine Geschäftsfreunde (der serbische Tycoon Miroslav Mišković und angeblich auch der verhaftete Drogenboss Naser Kelmendi) sind beeindruckend. 

2010 gründete Radončić die Partei "Bund für eine bessere Zukunft"  (SBB) und versuchte ins dreiköpfige Staatspräsidium zu kommen. Manche behaupten, dass er mit seiner jetzigen Taktik bereits einen neuen Anlauf für die Wahl im Herbst nimmt. Radončić ist geschieden und hat drei Kinder.  (Adelheid Wölfl/ DER STANDARD, 11.2.2014)

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    foto: ap/emric
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