Vorarlberg will Bildungsreform

10. Februar 2014, 19:28
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Hohe Beteiligung an Umfrage zu gemeinsamer Schule

Bregenz - Die gemeinsame Schule bewegt die Vorarlberger, oft mehr, als es der Volkspartei recht ist. Der Druck kommt von allen Seiten: Eltern- und Schülerorganisationen, Wirtschaftskammer und Lehrergewerkschaften wollen die Schulreform. Nun versucht man im Landhaus, Gerüchte zu dementieren, dass sich 72 Prozent der Schulpartner für die gemeinsame Schule ausgesprochen hätten.

Hintergrund: Eine Umfrage, die im Rahmen des Forschungsprojekts "Schule der 10- bis 14-Jährigen" gemacht wurde. Das Forschungsprojekt wurde vor einem Jahr von der Landesregierung in Auftrag gegeben, Ergebnisse will man aber erst im ersten Halbjahr 2015 präsentieren. Deshalb sei es auch noch verfrüht, aus den Rohdaten Trends ableiten zu wollen, sagt Schullandesrätin Bernadette Mennel (ÖVP). Der kolportierte Prozentsatz sei nicht richtig. Zahlen nennt man im Landhaus aber nur zur Rücklaufquote.

Hohe Beteiligung

Die hohe Beteiligung sei überraschend und erfreulich, sagt Projektkoordinatorin Gabriele Böheim. 22.880 Fragbögen wurden an Lehrerinnen und Lehrer, Eltern, Schülerinnen und Schüler verschickt. 19.520 gaben auf die rund 90 Fragen Antwort. Bei den Kindern - befragt wurde alle der vierten, sechsten und achten Schulstufe - lag die Beteiligung bei 93 Prozent. Bei den Eltern zwischen 85 Prozent (Mittelschule) und 90 Prozent (Volksschule). Lehrerinnen und Lehrer beteiligten sich zu 54 Prozent.

Das Forschungsprojekt hätte man sich sparen können, ist sich die Opposition einig. Auch ohne Umfrage wisse man, dass der Großteil der Eltern keine Trennung ihrer Kinder am Ende der Volksschule in Mittelschüler und Gymnasiasten wolle, sagt Gabi Sprickler-Falschlunger, Bildungssprecherin der SPÖ. Die Schulentscheidung mit neuneinhalb Jahren stelle alle Beteiligten vor Probleme, stimmt ihr die Pädagogin Silvia Benzer (FPÖ) zu: "Ein Blick nach Südtirol und Deutschland hätte gereicht, um festzustellen, dass die gemeinsame Schule funktioniert." Stillstand ortet Katharina Wiesflecker (Grüne): "Wir stehen dort, wo wir schon vor Jahren standen - vor der politischen Entscheidung für die gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen."

Nichts eigne sich als Entscheidungsgrundlage besser als ein fundiertes Forschungsprojekt, das sich konkret mit den regionalen Rahmenbedingungen auseinandersetzt, kontert Schulentwickler und -inspektor Christian Kompatscher: "Was wir brauchen, sind Argumentationsgrundlagen anhand von Fakten, nicht von Glaubenssätzen." (jub, DER STANDARD, 11.2.2014)

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