Vorwurf der Fälschung "ungeheuerlich"

10. Februar 2014, 18:52
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Entlassene Vizedirektorin Stantejsky will weder Belege gefälscht, noch Informationen zur Finanzsituation vorenthalten haben

Wien - Silvia Stantejsky, die entlassene Vizedirektorin des Burgtheaters, weist die jüngsten Vorwürfe gegen ihre Gebarung mit Entschiedenheit zurück. "Der Vorwurf, dass ich Belege gefälscht hätte, ist unrichtig und ungeheuerlich", so die frühere Kaufmännische Geschäftsführerin des Theaters am Montagnachmittag in einer schriftlichen Stellungnahme.

"Ich habe weder Belege gefälscht, noch habe ich irgendjemanden Informationen über die finanzielle Situation des Burgtheaters vorenthalten, sondern habe sämtlichen Kontrollinstanzen immer vollständig und wahrheitsgemäß Auskunft erteilt. Die schwierige budgetäre Situation des Burgtheaters war allen verantwortlichen Personen bekannt. Aufgrund dieser Situation bin ich ab September 2013 nicht mehr als kaufmännische Direktorin zur Verfügung gestanden", heißt es weiter.

Sämtliche Auszahlungen seien rechtmäßig erfolgt. Sie sei immer bereit gewesen, "jeden Zahlungsfluss zu erklären. Auch nach meiner Entlassung wurde ich regelmäßig zu Besprechungen im Burgtheater hinzugezogen, um eine ordnungsgemäße Erstellung des Jahresabschlusses zu gewährleisten. Dies erfolgte natürlich immer unter Teilnahme und in Kenntnis der Geschäftsführung des Burgtheaters."

Vom Inhalt des heute dem Burgtheater-Aufsichtsrat vorgelegten forensischen Zwischenberichts der Wirtschaftsprüfer und den darin enthaltenen schwerwiegenden Vorwürfen habe sie nur aus den Medien erfahren, beklagte Stantejsky. "Ich bin weiterhin zuversichtlich, dass sich die Haltlosigkeit sämtlicher gegen mich geäußerten Vorwürfe vor Gericht herausstellen wird." Stantejsky hat gegen ihre Entlassung Klage beim Wiener Arbeits- und Sozialgericht eingereicht. Nachdem eine erste Tagsatzung zunächst einvernehmlich verschoben wurde, ist nun für 7. April ein erster Termin anberaumt.

Die ehemalige Kaufmännische Geschäftsführerin bekommt unterdessen Unterstützung vom Kultursprecher der Grünen, Wolfgang Zinggl: "Das Burgtheater-Defizit hat nicht eine einzige Frau zu verantworten", ist sich der Abgeordnete in einer Aussendung sicher. "Bundestheaterholding und Burgtheater sind keine Kegelvereine. Jeder Beleg geht durch zig Hände. Monatliche Berichte gehen auch an die künstlerische Geschäftsführung, vierteljährliche an die Aufsichtsräte. Irgendwann hätte irgendjemand von den vielen Kontrollorganen rechtzeitig etwas bemerken müssen." Sollte es aber tatsächlich einer einzigen Person möglich gewesen sein, ein so gewaltiges Defizit zu verursachen, seien das gesamte System der Ausgliederung und deren Kontrollmechanismen "schwer zu hinterfragen".

Wie der Aufsichtsrat des Burgtheaters in seiner heutigen Sitzung unterrichtet wurde, ist für das Jahr 2012/13 mit einem Bilanzverlust von "voraussichtlich" 8,3 Mio. Euro zu rechnen. Dazu könnten 5 Millionen Euro Steuernachzahlungen kommen. Diese stünden "aufgrund formaler Versäumnisse der kaufmännischen Direktion im Raum", hieß es. Die endgültige Bilanz für 2012/13 soll Ende April vorliegen. (APA, 10.2.2014)

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