Chinas Millionäre auf dem Run nach Kanada

10. Februar 2014, 18:41
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Chinas Superreiche halten sich mehr als nur eine Hintertür offen, um ihr Vermögen und sich selbst außer Landes in Sicherheit zu bringen. Das zeigen neue Enthüllungen über die verschlungenen Wege, die die gigantische Kapitalflucht nimmt. Die Informationen dazu liefern diesmal nicht die sogenannten Offshore-Leaks-Daten aus den karibischen Steuerparadiesen, in die nach Expertenschätzungen zwischen eine bis vier Billionen US-Dollar abflossen. Sie stammen aus Hongkong.

In den vergangenen Jahren haben sich über das dortige kanadische Generalkonsulat so viele Millionäre aus der Volksrepublik klammheimlich um "Investorenpässe" beworben, dass die Regierung in Ottawa ihr Programm, einfrieren musste, mit dem sie weltweit Investitionen nach Kanada anlocken will. Sie kam mit der Bearbeitung der Massen an Anträgen nicht mehr nach.

Einwanderervisum

Nun veröffentlichte Hongkongs South China Morning Post das Ergebnis ihrer Recherchen: Allein zwischen 2009 bis 2011 bewarben sich 63.796 superreiche Chinesen über das Konsulat bei den kanadischen Einwanderungsbehörden. Sie wollen sich den Status eines Auslandsinvestoren erwerben und so ein Einwanderervisum erhalten.

Im gleichen Zeitraum wandten sich aber nur 252 Antragssteller aus dem Festland an Kanadas Botschaft in Peking unter den Augen der chinesischen Behörden. Hongkong gehört zwar auch zu China. Doch haben Pekings Steuerbehörden und Parteikontrolleure auf die Sonderverwaltungszone Hongkong keinen direkten Zugriff, solange für Hongkong das Prinzip "Ein Land zwei Systeme" gilt.

Die detaillierten Angaben über die Zahl der Antragsteller beim Konsulat in Hongkong stammen vom kanadischen Einwanderungsanwalt Richard Kurland, der sich bei den Behörden in Ottawa Einsicht in die Unterlagen verschaffen konnte. 2011 machten die in Hongkong eingereichten Anträge 86 Prozent aller weltweit gestellten derartigen Ersuchen aus. 99 Prozent der Hongkonger Anträge sollen zudem von Festlandchinesen gestellt worden sein. Die kanadischen Behörden seien völlig überfordert worden mit dem Ansturm.

Investitionsversprechen

2012 konnten sie gerade 3643 Investorenvisa genehmigen. Sie würden gerne mehr bewilligen. Bis Ende 2012 hatten sich allein die aufgrund der Anträge gemachten chinesischen Investitionsversprechen auf 7,5 Milliarden Kanada-Dollar (rund fünf Milliarden Euro) addiert. Beim Hongkonger Konsulat türmten sich Überhänge von 53.580 Anträge auf. Anspruch auf das Spezialvisum könne jeder anmelden, der ein Vermögen von mindestens 1,6 Mio. kanadische Dollar besitzt und bereit ist, davon 800.000 Dollar in Kanada für fünf Jahre als zinsfreies Darlehen zu "investieren".

Chinas Superreiche stehen aber auch bei den USA, Neuseeland oder Australien für ein Investorenvisum Schlange. 2011 vergaben die USA 3340 permanente Aufenthaltsgenehmigungen an Investitionseinwanderer aus China. Die Bewilligten hatten mit jeweils mindestens einer halben Millionen US-Dollar in den USA neue Unternehmen und Arbeitsplätze gegründet. 2011 standen hinter der Hälfte solcher "Projekte" in den USA, die ihrem Investor zur "Green Card" verhalfen, chinesische Millionäre. Seit 2007 seien die USA zur ersten Adresse für reiche Chinesen geworden.

Umfragen mit Mehrfachnennung zeigten, dass 43 Prozent der Visum-Investoren langfristig ihr Vermögen sichern wollten. 58 Prozent waren darauf aus, ihren Kindern eine bessere Ausbildung im Ausland zu ermöglichen, und 32 Prozent wollten für ihr Alter vorsorgen.

Unter den 1000 reichsten Chinesen des Landes sitzen 84 als Delegierte im chinesischen Volkskongress und 69 im Beraterparlament. Rund ein Viertel seien heute eingeschriebene Mitglieder der Kommunistischen Partei. (Johnny Erling aus Peking, DER STANDARD, 11.2.2014)

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