Das nächste Fest in Orange

10. Februar 2014, 20:31
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Dreifach-Triumph der Niederländer über 500 Meter - Gold von Michel Mulder bringt zwischenzeitliche Führung im Medaillenspiegel

Sotschi - Michel Mulder hat am Montag die niederländischen Festspiele bei den olympischen Eisschnelllauf-Bewerben in Sotschit mit dem Gewinn der Goldmedaille über 500 m fortgesetzt. Das ist speziell bemerkenswert, als dies die erste in der Olympiageschichte für den ruhmreichen niederländischen Eisschnelllauf-Verband, den Koninklijke Nederlandsche Schaatsenrijders Bond (KNSB) war.

Der 27-Jährige setzte sich in der Adler Arena in Sotschi den beiden Läufen mit nur einer Hundertstelsekunde Vorsprung vor seinem Landsmann Jan Smeekens durch. Als Dritter komplettierte Michels Zwillingsbruder Ronald den dritten olympischen Oranje-Dreifachtriumph. Die Gebrüder Mulders sind erst die zweiten Zwillinge auf dem Podest bei Olympischen Winterspielen. Zuvor war dies nur den Alpinen Phil und Steve Mahre (USA) in Sarajevo 1984 gelungen. 

Sieben von neun

Bereits über 5000 m hatten am Samstag drei Niederländer (Sven Kramer, Jan Blokhuijsen und Jorrit Bergsma) das Stockerl bevölkert. Mit dem Sieg von Ireen Wüst über 3000 m am Montag ergibt das eine durchaus ansehnliche Zwischenbilanz: sieben von neun möglichen Medaillen und damit auch Platz eins im entsprechenden Spiegel. Für Wüst gab es sogar Lob von Wladimir Putin, der nach dem österreichischen auch dem Holland-Haus einen Besuch abgestattet hat. Ganz ohne Karl Schranz übrigens. "Er gratulierte mir und fragte, ob für mich in Russland alles nach Wunsch sei", berichtete Wüst.

Mulder, der beim Zieldurchlauf von Smeekens erst nach einer kurzen Schrecksekunde seinen Triumph realisierte, löschte den scheinbar ewigen Makel aus der Erfolgsbilanz der Eisschnelllauf-Großmacht: Erstmals wurde die traditionelle Vormachtstellung asiatischer Läufer auf der Sprintstrecke geknackt. Mo Tae-Bum, der Goldene aus Vancouver und regierende Weltmeister aus Südkorea wurde Vierter. "Das war nicht normal, ich sah Jan über die Ziellinie kommen. Ich wusste nicht, welche Zeit er laufen musste. Jetzt bin ich Olympiasieger. Unglaublich, ich habe alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt", sagte Mulder.

Wendepunkt Kunsteis

Mit insgesamt 30 Olympiasiegen sind die Niederlande nun vor den USA die erfolgreichste Eisschnelllaufnation. Auffällig: während die Amerikaner schon seit 1924 Top-Platzierungen liefern, stießen die Niederlande erst 1968 in die Weltklasse vor. Oranje ist damit eine recht junge Eisschnelllauf-Nation. Als Basis der Leistungsexplosion gilt der Bau der ersten Kunsteisbahnen in den 1960er Jahren. Seither musste die Elite zum Eistraining nicht mehr nach Norwegen ausweichen.

Man profitiert davon, dass die Niederlande weltweit die einzige Nation sind, in der Eisschnelllaufen in allen Gesellschaftsschichten als Freizeit-, Breiten- und Hochleistungssport wahrgenommen und betrieben wird. Bei Frost im Winter sind auf den zugefrorenen Seen und Kanälen Hunderttausende Eisläufer unterwegs. Der KNSB hat 150.000 Mitglieder, 15.000 haben eine Wettkampflizenz, 50 Prozent von ihnen sind jünger als 18 Jahre alt.

Volkssport, auch im Exil

Kein Wunder, dass mit der Elfstädtetour (Elfstedentocht) auch das bedeutendste Natureis-Langstreckenrennen in den Niederlanden seine Heimat hat. Über fast 200 Kilometer geht es dabei über zugefrorene Kanäle durch elf Städte in der Provinz Friesland. Millionen schauen zu, die Sieger gehen in die Sportgeschichte des Landes ein. Da das Temperaturniveau nur selten eine Durchführung der Tour zulässt, packen sich seit 1989 jährlich tausende Niederländer zusammen, um auf dem Kärntner Weißensee ein Alternativrennen zu zelebrieren.

Das ein oder andere Ziel bleibt aber schon noch übrig für die Helden der Eisbahn: Olympiagold über 500 m der Frauen, sowie in beiden Teamverfolgungen waren noch nie orange. Fast ein Glück. (bausch, sid - 10.2. 2014)

ERGEBNIS Eisschnelllauf, 500 m Herren: 1. Michel Mulder 69,312 Punkte (34,634/34,678 Sekunden) - 2. Jan Smeekens 69,324 (34,599/34,725) - 3. Ronald Mulder (alle NED) 69,46 (34,96/34,49) - 4. Mo Tae-bum (KOR) 69,69 (34,84/34,85) - 5. Joji Kato (JPN) 69,74 (34,96/34,77) - 6. Keiichiro Nagashima (JPN) 70,040 (34,790/35,250) - 7. Roman Kretsch (KAZ) 70,048 (35,046/35,002) - 8. Nico Ihle (GER) 70,10 (34,99/35,11) - 9. Artur Was (POL) 70,21 (35,01/35,19) - 10. Gilmore Junio (CAN) 70,25 (35,15/35,09).

Keine österreichische Beteiligung

 

  • Von links nach rechts: Ronald Mulder (3.), Michel Mulder (1.) und Jan Smeekens (2.) tragen Orange und kommen daher allesamt aus den Niederlanden.
    foto: reuters/kato

    Von links nach rechts: Ronald Mulder (3.), Michel Mulder (1.) und Jan Smeekens (2.) tragen Orange und kommen daher allesamt aus den Niederlanden.

  • Mo Tae-bum hat gegen Michel Mulder das Nachsehen.
    foto: ap/thuillier

    Mo Tae-bum hat gegen Michel Mulder das Nachsehen.

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