Katakombenstimmung in Italiens Tourismus

10. Februar 2014, 18:38
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4,6 Prozent weniger Nächtigungen im Vorjahr - Regierung will nun gegensteuern

2013 geht in die Chronik des Welttourismus als Rekordjahr ein. Nicht so in Italien. Das Bel Paese konnte trotz hervorragender Voraussetzungen (weltweit höchste Dichte an Kulturobjekten) nicht vom weltweiten Touristenboom profitieren - im Gegenteil.

Als eines der wenigen Länder weist Italien in der Tourismusstatistik für 2013 ein sattes Minus auf: Die Nächtigungen sind im Berichtszeitraum um 4,6 Prozent auf 363 Millionen zurück gegangen. In anderen Mittelmeerländern, beispielsweise in Griechenland, wurde im Vorjahr hingegen ein zweistelliges Plus verzeichnet.

Die Regierung in Rom will in den kommenden Tagen einen Tourismusplan verabschieden. Ministerpräsident Enrico Letta ließ wissen, dass eine Förderung des Tourismus für das geplante Wirtschaftswachstum von eminenter Wichtigkeit sei. Vor allem soll die nationale Tourismusbehörde Enit mehr Mittel erhalten, um die zentrale Bewerbung Italiens zu stärken. Italiens Tourismus leidet nämlich auch unter einer chaotischen Kompetenzaufteilung. Der Zentralstaat in Rom, die Regionen, die Provinzen und die Gemeinden machen sich mit ihrem Standortmarketing vielfach gegenseitig Konkurrenz.

Mehr ausländische Gäste

Ein Grund für die Probleme des italienischen Tourismus liegt in Italien selbst. Infolge der Krise haben zuletzt nur mehr rund die Hälfte aller Italiener Sommerurlaub gemacht. Wenige Jahre zuvor waren es noch 80 Prozent. Erstmals nach rund 60 Jahren wurden auf der Appenninenhalbinsel mehr ausländische Gäste gezählt als urlaubende Italiener, zeigt eine Erhebung des Wirtschaftsforschungsinstitutes Nomisma. Mit 11,8 Millionen Gästen (plus 1,4 Prozent) liegt Deutschland in der Nationenwertung voran, gefolgt von Amerikanern, Franzosen und Engländern. Gäste mit österreichischem Pass wurden 2,6 Millionen gezählt, das waren um 1,7 Prozent mehr als 2012.

Die Inlandskrise dürfe nicht als Vorwand für die Misere im Tourismus benutzt werden, schreibt der Corriere della Sera. Verantwortlich dafür seien auch der technologische Rückstand im Tourismusgewerbe, die Aufsplitterung der Strukturen sowie das Fehlen einer nationalen Fremdenverkehrspolitik. Tatsache ist, dass der Tourismus in Italien nur 4,2 Prozent des Bruttoinlandprodukts ausmacht. Zuzüglich Tourismus-Dienstleistungen sind es zehn Prozent. Zum Vergleich: Österreichs Tourismus kommt auf einen BIP-Anteil von rund 5,5 respektive 14,6 Prozent. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, 11.2.2014)

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