"Wir wollen Gold und tun alles dafür"

10. Februar 2014, 18:31
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Österreichs Eishockeyteam freut sich auf das Duell mit dem Mutterland und hat sogar einen gewissen Vorsprung. Team Canada, erst am Montag gelandet, hat Respekt, aber wie stets das Große und Ganze im Auge.

311 Eishockeyspieler und 168 -spielerinnen sporteln in Sotschi. Sie bilden die größte aller 15 olympischen Abteilungen. Am Montag landete wertvolle Fracht aus Nordamerika auf dem Flughafen Adler. Die 142 Profis aus der National Hockey League (NHL) sind eingetroffen, darunter die Österreicher Thomas Vanek, Michael Grabner und Michael Raffl, darunter 14 Finnen, alle 25 Kanadier und ein Norweger, nur um jene Nationen zu nennen, die in der Vorrundengruppe B um den Aufstieg kämpfen.

Daniel Welser spielt für Salzburg, also ist er schon länger da und hat Olympia miteröffnet. Ihm taugt Kanadas Superstar Sidney Crosby viel mehr als Russlands Alexander Owetschkin. "Weil Crosby für die Mannschaft spielt und nicht für sich selbst. Deshalb hat er auch viel mehr Titel gewonnen." Da hat der Verteidiger Welser Glück, dass er jedenfalls gegen Center Crosby antreten wird. Eine Partie gegen Russland ist nicht auszuschließen, aber erst im Viertelfinale möglich. Modus: Jeweils die Sieger der drei Gruppen sowie der insgesamt beste Zweite steigen direkt ins Viertelfinale auf, die anderen acht Teams spielen um die restlichen vier Plätze.

Er, Welser, werde aber sicher nicht vor Ehrfurcht erstarren, wenn es Crosby zu attackieren gilt, der mit den Pittsburgh Penguins einmal den Stanley Cup gewann und im Olympiafinale 2010 in Vancouver in der Verlängerung das entscheidende Tor zum 3:2 gegen die USA erzielte.

Die Österreicher beginnen am Donnerstag gegen die Finnen und setzen am Freitag gegen die Kanadier fort. Die erstarren auch nicht gerade in Ehrfurcht. "Aber Respekt haben wir. Wir bereiten uns auf jeden Gegner gleich vor. Das ist ein Turnier, bei dem an gewissen Tagen und einer super Torhüterleistung jeder jeden schlagen kann", sagt Ralph Krüger, einer der Coaches von Team Canada, den man beim Trainingsspiel Österreichs gegen Slowenien (4:1) trifft.

Der Deutsch-Kanadier Krüger wurde mit VEU Feldkirch in den Neunzigerjahren fünfmal Meister und gewann einmal die Europan Hockey League, quasi die Champions League. Von 1998 bis 2010 trainierte er die schweizerische Nationalmannschaft, für eine Saison gab er dann den Headcoach der Edmonton Oilers in der NHL. Seit vergangenem Juni ist der 54-Jährige bei den Kanadiern für das Scouting zuständig, war in die Spielerselektion eingebunden und berät Headcoach Mike Babcock. "Ich beobachte alle Trainings und so viele Spiele wie möglich, damit ich alles weiß. Auch wenn sie am Ende nur drei Prozent davon brauchen."

Stets ein Thema ist die Umstellung auf die in Europa übliche, größere Eisfläche. Im Sommer wurde der erweiterte Kader für zwei Tage in Calgary zusammengezogen, um in einem großen Rink zu kombinieren. Einfach so zum Spaß Eishockey zu spielen ist allerdings laut NHL-Veträgen nicht gestattet. Also spielten die 45 Herrschaften Landhockey auf einem Hartplatz.

Für Olympia macht die NHL eine Ausnahme. Krüger: "Die Spieler lieben Olympia, sie sind hungrig darauf. Es gibt keinen, der nicht gerne herkommt. Das ist das größte Sportereignis, das wir erleben können. Nicht nur die Ergebnisse zählen am Ende, das Erlebnis zählt." Und es gebe keinen, der sich nach einer Extrawurst sehnt. "Alle wohnen im olympischen Dorf in Dreier- oder Doppelzimmern."

Die Kanadier haben, so wie die Russen, nur das eine im Sinn, den Olympiasieg. "Wir versuchen die Erwartung auch gar nicht zu bremsen. Wir wollen die Goldmedaille und tun alles dafür." Krüger glaubt, dass es für die Russen noch viel schwieriger ist. "Schließlich waren der kanadische Olympiasieg 2010 und der schwedische WM-Titel 2013 in Stockholm die ersten Heimsiege seit 1986, als die mittlerweile verblichene UdSSR WM-Gold holte. "Bei einem Heimturnier muss der Trainer mehr Psychologe als Eishockeykenner sein."

Was Krüger von Österreichs Team hält? "Kämpferisch sehr stark, eine ehrliche Mannschaft. Aber sie müssen schnell das Tempo finden, bis auf die drei NHL-Spieler sind sie ein anderes Level gewöhnt. Aber dass sie hier sind, zeigt, dass sie eine Mannschaft sind, die man ernst nehmen muss, sonst wären sie ja gar nicht hier."

Österreich muss jetzt drei, Kanada muss 25 Spieler integrieren, vor allem die Zeitumstellung ist ein Problem. "Ich erwarte gar nicht, dass wir sofort bereit sind", sagt Krüger. Aber im Grunde bereiten sich alle, die hier sind, auf das vierte Spiel vor. Das musst du gewinnen." (Benno Zelsacher aus Sotschi, DER STANDARD, 11.2.2014)

  • Am 28. Februar 2010, nach 67:40 Spielminuten, frohlockte Kanadas Superstar Sid Crosby über das entscheidende Tor beim olympischen 3:2-Finalsieg über die Kollegen aus den USA.
    foto: ap / chris o'meara

    Am 28. Februar 2010, nach 67:40 Spielminuten, frohlockte Kanadas Superstar Sid Crosby über das entscheidende Tor beim olympischen 3:2-Finalsieg über die Kollegen aus den USA.

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