Gewinnfreibetrag: Großer Krach um kleine Gruppe

10. Februar 2014, 18:18
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Selbstständige schäumen

Wien – Für die große Masse bleibt alles beim Alten. Bis zu 30.000 Euro Jahresgewinn können Selbstständige auch weiterhin den Gewinnfreibetrag geltend machen – vor Berechnung der Steuer werden 13 Prozent vom Gewinn abgezogen. Darüber hinaus plant die Regierung aber Einschnitte. Über der 30.000er-Grenze soll der Vorteil nur mehr dann gewährt werden, wenn der Unternehmer im selben Ausmaß investiert.

Fallen soll hingegen folgende Möglichkeit: Bisher konnten Selbstständige den Freibetrag auch dann lukrieren, wenn sie bestimmte, gesetzlich definierte Wertpapiere kauften. Für eine solche Sparprämie, die nichts mit dem einstigen Ziel der Investitionsförderung zu tun habe, sagt SPÖ-Wirtschaftssprecher Christoph Matznetter, sei in Zeiten wie diesen kein Geld da: "Die Bausparprämie wurde ja auch halbiert."

Breite Front für Freiberufler

Betroffen wäre nur eine relativ kleine Gruppe: Laut Statistik Austria waren es zuletzt 21.600 Menschen (Zahlen von 2010), die den Gewinnfreibetrag nutzten, um Wertpapiere zu kaufen – weniger als zehn Prozent aller Selbstständigen. Doch für sie werfen sich viele ins Zeug: Neben dem ÖVP-Wirtschaftsflügel, dem nun sogar der Arbeitnehmerbund ÖAAB Verständnis signalisiert, auch FPÖ, Neos und die Grünen.

Volker Plass, Chef der Grünen Wirtschaft, verhehlt nicht, dass er vom Einschnitt betroffen wäre. Der Grafikdesigner fragt sich, war­um Gutverdiener nun zur Kasse gebeten werden, nur weil gerade keine Investitionen im Unternehmen anstehen – die Steuerlast auf Arbeit sei ohnehin längst zu hoch. Plass erinnert auch an den historischen Sinn der Erleichterung: Der Gewinnfreibetrag sollte Selbstständigen den gleichen Steuervorteil bieten, den Arbeitnehmer durch den Rabatt auf das 13. und 14. Gehalt genießen.

Allerdings ist diese Argumentation umstritten – auch innerhalb der Grünen. Budgetsprecher Bruno Rossmann, glaubt, dass die Kompensation für die Selbstständigen in Summe zu weit gegangen sei, schließlich könnten Freiberufler durch kreative Gestaltung der Steuererklärung auch "Schindluder"  treiben. Die in der Debatte immer als Argument bemühten Einpersonenunternehmen, die es zu schützen gelte, blieben ohnehin zum Großteil unter 30.000 Euro. Diese Freibetragsgrenze könnte letztlich angehoben werden, deutet SP-Mandatar Matznetter einen Kompromiss an. Zeit bleibt zumindest bis Donnerstag, wenn das Steuerpaket im Parlament verhandelt wird. (jo, DER STANDARD, 11.2.2014)

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