GmbH light: Pleiten, Punzen, Privilegien

10. Februar 2014, 18:17
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Gründer gegen Gläubiger

Wien – In der Sache wurzelt einer der beiden ÖVP-Konflikte im Juli des Vorjahres: Damals hatte die Regierung die GmbH light aus der Taufe gehoben. Für die Schaffung einer solcher Gesellschaft, die für den Unternehmer den Vorteil der beschränkten Haftung im Pleitefall birgt, müssen seither nur mehr 10.000 statt früher 35.000 Euro als Stammkapital eingebracht werden, womit die Mindestkörperschaftsteuer (KöSt.) auf 500 Euro sank. All diese Vorteile sollten einen Gründerboom auslösen.

Allerdings sattelten auch bereits bestehende Firmen auf die neue Variante um, was dem Staat Steuereinnahmen wegfraß. Laut Kreditschutzverband (KSV) von 1870 handelte es sich nur bei einem Fünftel aller im Vorjahr entstandenen GmbHs light um echte Neugründungen.

Die Regierung will das Modell nun wie folgt einschränken: Neounternehmern reichen zwar weiterhin 10.000 Euro, sie müssen aber in der Folge, sofern im Plus, ein Viertel des Jahresgewinns verwenden, um weiteres Stammkapital aufzubauen. Die Mindest-KöSt. bleibt die ersten fünf Jahre bei 500 Euro, steigt ab dem sechsten Jahr aber auf 1000 und ab dem zehnten auf 1750 Euro.

"Einen massiven Vertrauensbruch durch eine letztklassige Politik" nennt dies Markus Roth. Der in ÖVP und Wirtschaftskammer aktive Unternehmer macht seine Kritik nicht nur an der nun wieder steigenden finanziellen Belastung von Firmengründern fest, sondern findet auch empörend, dass GmbHs mit nur 10.000 Euro Stammkapital künftig offiziell als "gründungsprivilegiert" bezeichnet werden sollen: Ein Unternehmen, das eine solche Brandmarkung trage, werde nie das volle Vertrauen von Geschäftspartner bekommen.

Hans-Georg Kantner hält die Punze hingegen für geradezu "genial", weil man so erkenne, dass man es mit einer kapitalschwachen Firma zu tun habe. Der KSV-Experte verweist auf die Sicherheitsfunktion des Stammkapitals – weniger zur Gläubigerbefriedigung im Pleitefall denn als Reserve während der ersten fünf Jahre, in denen die Hälfte aller Pleiten stattfinde. Hinter der geplanten Novelle der GmbH light sieht Kantner einen "sehr guten Kompromiss".

Ein Unternehmen, das am Markt reüssieren will, müsse die neuen Erfordernisse verkraften können, meint Werner Hölzl vom Wirtschaftsforschungsinstitut. Er schätzt die realen Folgen der GmbH-Reform geringer ein als die politischen: Österreich werde in all den "überschätzten"  Rankings wieder zurückfallen – "und schlechter dastehen, als es ist". (jo, DER STANDARD, 11.2.2014)

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