Lutz: XXX-Steuersparmodell

10. Februar 2014, 17:55
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Eine Gesellschaft, deren Geschäftsführung auf Malta beheimatet ist, verwaltet Lizenzen im Wert von 340 Millionen Euro

Wien - Was der alles hat? Der Werbespruch von XXXLutz wird derzeit in Expertenkreisen repliziert. Der Möbelriese verfügt nämlich über eine Malta-Konstruktion, die im Zuge des kurz vor Beschluss stehenden Abgabenänderungsgesetzes hinter verschlossenen Türen Gegenstand von Diskussionen war. Der Entwurf schränkt auch den Abzug von Lizenzzahlungen in Steuerparadiese steuerlich ein. Und würde somit möglicherweise Lutz treffen.

Denn der Welser Konzern hat vor Jahren eine Steuerkonstruktion ausgetüftelt, die an ähnliche Offshore-Gebilde von Apple, Google oder Starbucks erinnert. Für die Möbel-Konstruktion interessiert sich dem Vernehmen nach auch die österreichische Finanzbehörde. Lutz selbst will darüber überhaupt nicht sprechen: Die Fragen beträfen nämlich das "strafrechtlich geschützte Finanzgeheimnis", begründet Unternehmenssprecher Thomas Saliger die Verschwiegenheit. Weitere Fragen über Sinn und Zweck des Steuermodells, dessen finanzielle Auswirkungen und die Kompatibilität mit dem Steuerrecht lässt er trotz mehrmaliger Aufforderungen unbeantwortet.

Faktum ist: Die Konzerngesellschaft XXXLutz Marken GmbH mit neun Mitarbeitern ist in Österreich und Malta registriert, die Geschäftsführung hat ihren Sitz auf der sonnigen Insel. Damit ist das Unternehmen in dem winzigen EU-Land steuerpflichtig. Wobei der Ausdruck Steuerpflicht relativ ist. Zwar werden Gewinne theoretisch mit 35 Prozent Körperschaftsteuer belastet, allerdings sinkt der Satz effektiv dank üppiger Rückerstattung auf fünf Prozent.

Dem heimischen Fiskus - hierzulande würden bei "normaler" Versteuerung 25 Prozent anfallen - entgehen somit hohe Steuereinnahmen. Auch deutsche Konzerne wie BMW, BASF oder Deutsche Bank nutzen den Vorteil. Große Steuerberatungsgruppen - besonders aktiv ist angeblich Deloitte - verfügen über Büros in Malta und preisen das Modell ihrer internationalen Klientel an.

Einträgliche Marken

Marktführer Lutz machte sich 2007 gen Süden auf und spaltete die Lizenzen ab. Ihr Wert laut Bilanz: 341 Mio. Euro. Die mittels Gutachten ermittelte Summe ergibt sich in erster Linie aus der Marke XXXLutz mit 230 Mio. Euro, dazu kommen u. a. Möbelix und Mömax. Den einzelnen Konzerngesellschaften werden die Lizenzen in Rechnung gestellt. Sie überwiesen im Geschäftsjahr 2012/13 53,7 Millionen Euro, wodurch deren Bemessungsgrundlage für die Besteuerung entsprechend geschmälert wurde.

Inwieweit die geplante Gesetzesänderung Lutz trifft, war nicht in Erfahrung zu bringen. Vorgesehen ist, dass Lizenzgebühren an Gesellschaften in Ländern, die die Einnahmen mit weniger als zehn Prozent besteuern, nicht mehr abzugsfähig sein sollen. Womöglich mache aber ohnehin die Finanzbehörde dem Möbelriesen einen Strich durch die Rechnung, meint ein Insider. Bei dem von Lutz praktizierten Modell handle es sich um eine Umgehungskonstruktion. Eine andere Quelle hält dem entgegen, die Gesetzesänderung zeige, dass die jetzige Konstruktion rechtskonform sei. In der Bilanz der Lutz Marken GmbH wird naturgemäß eine andere Begründung für das mediterrane Ambiente angeführt: "Der Standort Malta wurde gewählt, weil das Markenrecht sehr international ist und fast ausschließlich in englischer Sprache abgewickelt wird", steht im Abschluss zu lesen.

Leisten könnte sich die von den Brüdern Andreas und Richard Seifert kontrollierte Gruppe eine höhere Besteuerung: Bei einem Umsatz von 1,72 Mrd. Euro wurde per Ende März 2013 ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen von gut 200 Mio. Euro erzielt, geht aus der Konzernbilanz hervor, die von der Holding RAS Beteiligungs GmbH gelegt wird. Bei einer Nettoverschuldung von 481 Mio. Euro beläuft sich die Eigenkapitalquote auf knapp 40 Prozent - im Vorjahr waren es 31,65 Prozent. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, 11.2.2014)

  • Nicht viel zu sagen hatte Lutz nicht nur in der Vergangenheit. Zumindest wenn es um seine Offshore-Geschäfte geht, hüllt sich der Konzern in Schweigen.
    foto: apa/herbert pfarrhofer

    Nicht viel zu sagen hatte Lutz nicht nur in der Vergangenheit. Zumindest wenn es um seine Offshore-Geschäfte geht, hüllt sich der Konzern in Schweigen.

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