Mit dem Ausländerausweis zur Arbeit

10. Februar 2014, 17:45
15 Postings

Vorarlberger Grenzgänger über Schweizer verwundert

Man ist sich nahe im schweizerischen und österreichischen Rheintal. Wesentliches wird friedlich geteilt: der Bodensee, der Rhein, der Dialekt. Schweizer Konsumenten erfreuen den Vorarlberger Handel, Gastronomie und Hotellerie pro­fitieren vom Schweizer Gast, der für seine Fränkli jenseits der Grenze mehr Leistung und Qualität bekommt.

In die andere Richtung ist der Konsumgrenzverkehr längst abgebrochen. Zu teuer ist die Schweiz für Euroverdiener geworden. Wegen der Arbeit passieren aber täglich 8119 Menschen aus Vorarlberg die EU-Außengrenze. Sie sind Grenzgänger – die meisten davon "vom alten Schlag" , wie Herbert Fechtig vom 1959 gegründeten Grenzgängerverband sagt: Menschen mittleren Alters, die
in den Industriebetrieben des Schweizer Rheintals arbeiten.

Sie sind nun damit konfrontiert, dass in St. Gallen, Thurgau und Appenzell bis zu 63,5 Prozent gegen die "Masseneinwanderung"  gestimmt haben – und damit dafür, dass Grenzgänger ins Ausländerkontingent einzurechen sind.

"Um Jahre zurückversetzt" 

"Schon sehr verwundert"  ist Fechtig, dass die Abstimmung in den Ostschweizer Kantonen so klar ausgegangen ist. "Da fühlt man sich um Jahre zurückversetzt."  In Zeiten, als die Grenzgängerbewilligung noch vom Ausländeramt ausgestellt wurde, "als die Arbeitgeber nachweisen mussten, dass sie keinen Einheimischen für die Stelle finden konnten" . Ein Relikt aus dieser Zeit ist der Ausländerausweis, den Grenzgänger immer noch bei sich tragen müssen.

Was nach der Abstimmung auf die Vorarlberger Grenzgänger zukommen wird, sei noch völlig ­ungewiss, sagt Fechtig. "Das weiß keiner."  Angst um den Job macht sich noch nicht breit – eher Trotz: "Die Schweizer sollten nicht vergessen, dass jeder dritte Franken im Handel mit der EU verdient wird."  Die Zahl der Grenzgänger stagniert. Vor zehn Jahren waren es noch 12.000, die wegen der guten Löhne in die Schweiz pen­delten. Fechtig: "Inzwischen hat die Vorarlberger Industrie bei den Löhnen nachgezogen. Junge Grenzgänger gibt es kaum." (Jutta Berger /DER STANDARD, 11.2.2014)

Share if you care.