"Verkaufen sie nicht unser Radio- und Kulturhaus!"

10. Februar 2014, 17:47
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ORF-Radio wird aktiv gegen Küniglberg - Betriebsrat um Gerhard Moser lud ORF-Chef Wrabetz und Radiodirektor Amon zur Betriebsversammlung ins Funkhaus

Wien - Der Radio-Betriebsrat um Gerhard Moser lud Montagnachmittag ORF-Chef Alexander Wrabetz und Radiodirektor Karl Amon zur Betriebsversammlung ins Funkhaus in der Wiener Argentinierstraße.

Die Versammlung appelierte per Resolution an Management und Stiftungsräte: "Verkaufen sie nicht unser gemeinsames Radio- und Kulturhaus."

Die_Wiener Standorte zu vereinen, würde zehn Millionen Euro sparen, hieß es in der Arbeitsgruppe des ORF-Stiftungsrats. Im März soll das Gremium über den Standort entscheiden – just in seiner letzten Sitzung in alter Besetzung. Für die Belegschaft ist die „erhoffte finanzielle Synergie aus heutiger Sicht und für die Zukunft nicht nachvollziehbar. Verluste, die zu befürchten sind, und das sind nicht nur finanzielle sondern auch Identitätsfragen, wiegen schwerer".

Radiodirektor Amon soll Montag wiederholt haben: Wenn ein Standort die wirtschaftliche Lage des ORF deutlich verbessere, sei er dafür. Er wäre aber für ein Innenstadt-Studio, Radiokulturhaus und Orchester im Funkhaus. (red, DER STANDARD, 11.2.2914)

Resolution der Betriebsversammum ORF-Hörfunk im Wortlaut

"Die Betriebsversammlung des ORF-Hörfunk - Ö1, Ö3, FM4, Teletext, Internet und Radiosymphonieorchester -  stellt sich vehement gegen die Pläne der ORF-Geschäftsführung das Funkhaus dem Rotstift zu opfern. Wir halten das für bedrohliche und undurchdachte Maßnahmen, die uns als Belegschaft treffen sollen, und die darüber hinaus Sendermarken und Kulturidentitäten beschädigen werden.

  • Welche Zukunft hat ein Radiokulturhaus ohne laufenden Radiobetrieb?
  • Welche Zukunft hat ein Radiosymphonieorchester ohne direkten Kontakt mit Ö1 und seinen Archiven?
  • Welche Zukunft haben Radiosender, denen eine Trennung zwischen aktueller Berichterstattung und dokumentarisch-gesellschaftlich-kulturellen Bereichen bevorstehen soll?
  • Und wie sollen Qualität und Unabhängigkeit des Radiojournalismus in einem "zentralen newsroom" garantiert werden?

Daher fordern wir den Generaldirektor und den Hörfunkdirektor auf, von diesen Plänen Abstand zu nehmen.

Das Funkhaus in der Argentinierstrasse darf nicht aufgegeben werden! Das Wiener Funkhaus ist nicht nur historisch und kulturell bedeutsam. Es ist der Ort, an dem jeden Tag Radio und Kultur geschaffen werden, seit Jahrzehnten. Es hat einen unschätzbaren Standortvorteil in Innenstadtnähe, für alle, die uns täglich zu Gesprächen, Interviews, Lesungen, Diskussionen und Konzerten besuchen.

Die von der ORF Geschäftsführung erhoffte finanzielle Synergie ist aus heutiger Sicht und für die Zukunft nicht nachvollziehbar. Verluste, die zu befürchten sind, und das sind nicht nur finanzielle sondern auch Identitätsfragen, wiegen schwerer.

Daher der Aufruf an die ORF-Geschäftsführung und an die ORF-Stiftungsräte:

Verkaufen sie nicht unser gemeinsames Radio- und Kulturhaus!

Im Namen der Belegschaft,

Gerhard Moser e.h. (Betriebsratsobmann, ORF-Radio)
Fabio Polly e.h. (Schriftführer, ORF-Radio)"

  • Zwei Jahre danach wird es ernst: "Rettet das Funkhaus"-Transparent beim Radio-Sommerfest 2012.
    foto: apa/schlager

    Zwei Jahre danach wird es ernst: "Rettet das Funkhaus"-Transparent beim Radio-Sommerfest 2012.

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