Nach dem König siegt der Thronfolger

10. Februar 2014, 17:07
83 Postings

Der Franzose Martin Fourcade holt Gold. Die Österreicher waren bis zum letzten Schießen gut im Rennen

Krasnaja Poljana - Ein Ole Einar Björndalen ist er noch nicht. Aber Martin Fourcade hat das Zeug dazu und im zweiten Bewerb der bewaffneten Langläufer den Grundstein dafür gelegt, in Dimensionen vorzustoßen, die bisher dem ewigen Norweger vorbehalten waren. Der Mann aus der hart an der spanischen Grenze liegenden, südfranzösischen Kleinstadt Céret holte sich in der Verfolgung, die er als Sechstplatzierter des Sprints in Angriff genommen hatte, sein erstes olympisches Gold.

Vor vier Jahren in Vancouver hatte es zu Silber im Massenstart gereicht, nachdem sein Landsmann Vincent Jay überraschend den Sprint gewonnen hatte. In den vier Jahren bis Sotschi war Fourcade zum Seriensieger und legitimen Nachfolger von Raphaël Poirée gereift, der zwar vier Mal den Weltcup gewonnen und acht WM-Titel zusammengerafft, aber niemals Olympiagold geholt hatte.

Faust nach der Null

Martin Fourcade (25), der mit seinem um vier Jahre älteren Bruder Simon durch den Weltcup zieht, leistete sich im Verfolger nur einen Fehlschuss im ersten Stehendanschlag, kompensierte aber die 25 in der Strafrunde verlorenen Sekunden als einer der Schnellsten in der tiefen, schwierigen Loipe spielend. Nach seiner fehlerlosen Serie im zweiten Stehendanschlag ballte er die Faust und jubelte seinem Coach Siegfried Mazet zu, als hätte er seine Konkurrenten nicht noch neben sich gehabt.

Bis dahin der hartnäckigste Herausforderer war Dominik Landertinger gewesen, der Silberne des Sprints. Aber der 25-jährige Wahltiroler, der ebenfalls schon im ersten Stehendschießen gepatzt hatte, ließ nicht nur sein Magazin fallen, sondern setzte dann auch noch zwei Schuss daneben, wurde Zehnter. Fourcade hatte das mitbekommen und war sich seiner Sache deshalb besonders sicher. Die letzten 2,5 Kilometer wurden für ihn zum Triumphzug vor den überraschenden Nächstplatzierten, dem Tschechen Ondrej Moravec, der sich vom achten auf den zweiten Platz verbesserte, und Fourcades Landsmann Jean Guillaume Beatrix, der vom 14. Rang zu Bronze gestürmt war.

Eder scheitert knapp

Knapp hinter Beatrix finalisierte Sprintsieger Björndalen, der drei Fehlschüsse nicht ganz kompensieren konnte. Und Simon Eder, der Sechste des Sprints, haderte mit einem Fehlschuss im letzten Anschlag, der ihn das Podest kostete. Er wurde Achter.

"Es war extrem zäh zu laufen, die Belastung des ganzen Rennens war ein Alzerl zu hoch für mich. Ich habe ziemlich kämpfen müssen beim Schießen, und das sind eben zwei Fehler passiert", keuchte Landertinger. Enttäuschter wirkte der Salzburger Eder: "Ich habe geglaubt, ich klopfe die Null runter. Ich musste schon während des Laufs den Kopf schütteln, weil es sich wieder ganz knapp nicht ausgegangen ist."

Makellos geschossen hat von den Österreichern nur Christoph Sumann, der sich auf den zehnten Rang verbesserte und so für die 20 Kilometer ein Versprechen abgab. Daniel Mesotitsch agierte derart, dass am Donnerstag wohl Fritz Pinter seine Chance gekommen sollte. Allerdings verwies der geschlagene Kärntner auf die wilden Szenen, die sich vor allem in einer Kurve der Loipe abgespielt hatten. Dort hatte auch der führende Kanadier Jean-Philippe Leguellec mit einem Sturz seine Medaillenchancen vergeben. (lü, DER STANDARD, 11.2.2014)

Biathlon-Verfolgung, 12,5 km, Herren: 1. Martin Fourcade (FRA) 33:48,6 Min. (1 Strafrunde) - 2. Ondrej Moravec (CZE) +14,1 Sekunden (0) - 3. Jean Guillaume Beatrix (FRA) 24,2 (1) - 4. Ole Einar Björndalen (NOR) 25,9 (3) - 5. Jewgeni Ustjugow (RUS) 36,7 (1) - 6. Simon Schempp (GER) 39,1 (1) - 7. Emil Hegle Svendsen (NOR) 40,2 (1) - 8. Simon Eder (AUT) 40,3 (2) - 9. Andrejs Rastorgujevs (LAT) 48,3 (1) - 10. Dominik Landertinger (AUT) 48,9 (3). Weiter: 12. Christoph Sumann (AUT) 54,4 (0) - 37. Daniel Mesotitsch (AUT) 2:34,8 (3)

  • Martin Fourcade war eine Klasse für sich.
    foto: apa/epa/nietfeld

    Martin Fourcade war eine Klasse für sich.

Share if you care.