Welche Pflichten haben Arbeitnehmer im Krankenstand?

Kolumne13. Februar 2014, 09:24
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Wann eine Krankmeldung notwendig ist und welches Verhalten erforderlich ist, erklärt Arbeitsrechtsexperte Stephan Nitzl

Frage: Welche Pflichten treffen einen Arbeitnehmer im Krankenstand?

Im Falle eines Krankenstandes ist der Arbeitnehmer verpflichtet, eine ärztliche Bestätigung vorzulegen, wenn dies vom Arbeitgeber ausdrücklich gefordert wird. Kommt der Arbeitnehmer dieser Aufforderung nicht nach, so verliert er für die Dauer dieser Säumnis seinen Anspruch auf Entgelt - allerdings berechtigt diese Säumnis den Arbeitgeber nicht unbedingt dazu, eine fristlose Entlassung auszusprechen. Zwar hängt dies wiederum von den Umständen des Einzelfalls ab, allerdings wird in vielen Fällen lediglich die Einstellung der Entgeltzahlung für die Dauer der Säumnis gerechtfertigt sein und nicht die fristlose Entlassung.

Klarzustellen ist, dass die weitverbreitete Annahme, dass der Arbeitgeber eine ärztliche Bestätigung erst nach drei Tagen Krankenstand fordern kann, falsch ist. Der Arbeitgeber kann bereits bei einem eintägigen Krankenstand eine ärztliche Bestätigung verlangen.

Im Krankenstand

In Bezug auf das Verhalten im Krankenstand ist es wichtig, dass der kranke Arbeitnehmer die Anordnungen des Arztes einhält und sich so verhält, dass er möglichst bald wieder gesund wird. Sofern der Arzt keine bestimmten Anordnungen für das Verhalten im Krankenstand erteilt hat, darf der Arbeitnehmer die nach der allgemeinen Lebenserfahrung üblichen Verhaltensweisen nicht betont und offenkundig verletzen und so den Heilungsverlauf gefährden. Wann das Verhalten des Arbeitnehmers eine derartige Verletzung darstellt und somit einen Grund für die fristlose Entlassung bildet, hängt wiederum sehr stark vom Einzelfall und von der Art der Erkrankung ab.

Ist ein Arbeitnehmer wegen eines grippalen Infekts krankgeschrieben, so wird er dennoch zur nächstgelegenen Apotheke bzw. zum nächstgelegenen Supermarkt gehen können, um notwendige Medikamente oder Lebensmittel zu besorgen, sofern er niemanden hat, der ihm behilflich sein kann. Geht der Arbeitnehmer mit demselben Krankheitsbild allerdings "shoppen", um Sonderangebote eines Ausverkaufs zu nützen, so stellt dies nach Judikatur des Obersten Gerichtshofes einen Entlassungsgrund dar.

Entlassung nach Fußballspiel

Ist ein Arbeitnehmer beispielsweise wegen Rückenbeschwerden im Krankenstand, so könnte es den Heilungsverlauf möglicherweise sogar positiv beeinflussen, wenn er während des Krankenstandes schwimmen geht. Allerdings ist bei derartigen Diagnosen auch nicht jede Sportart förderlich. In einer Entscheidung aus dem Jahr 2011 hat der Oberste Gerichtshof beispielsweise eine fristlose Entlassung als gerechtfertigt angesehen, bei der ein Arbeitnehmer trotz diagnostizierten Rückenbeschwerden im Krankenstand Fußball spielte.

Ganz allgemein kann für das Verhalten im Krankenstand geraten werden, sich auf den Hausverstand zu verlassen und im Zweifel den Arzt zu fragen, was für die Genesung förderlich ist und was nicht. (Stephan Nitzl, derStandard.at, 11.2.2014)

  • Stephan Nitzl ist Rechtsanwalt bei DLA Piper Weiss-Tessbach.
    foto: dla piper weiss-tessbach rechtsanwälte

    Stephan Nitzl ist Rechtsanwalt bei DLA Piper Weiss-Tessbach.

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