"The Intercept": Journalismus, furchtlos und konfrontativ

10. Februar 2014, 18:23
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Sie brachten Edward Snowdens Geheimdokumente an die Öffentlichkeit. Nun gingen die Journalisten Glenn Greenwald, zuletzt beim "Guardian ", und Jeremy Scahill sowie Dokumentarfilmerin Laura Poitras mit ihrer Plattform online - und neuen Enthüllungen

New York - "The Intercept" nennen sie ihre Plattform - ein Schnittpunkt oder auch eine Unterbrechung, etwas, das dazwischenfährt.

Intercept aber auch Abhören bedeuten. Die einschlägigen Praktiken des US-Auslandsgeheimdienstes NSA haben Snowdon, Greenwald und Poitras schon über klassische Medien wie den Guardian ans Licht gebracht.

Pierre Omidyar finanziert First Look, das neue Medienunternehmen von Greenwald, Poitras und Mitstreitern. Der Milliardär hat das Onlineauktionshaus Ebay mitgegründet. Nach dem Verkauf experimentierte er mit journalistischen Projekten. 2013 überlegte er, die Washington Post zu übernehmen. Die 250 Millionen Dollar (rund 190 MillionenEuro) zahlte Amazon-Boss Jeff Bezos schließlich für die US-Qualitätszeitung. Omidyar will nun laut Medienberichtern in dieser Dimension in First Look investieren.

"The Intercept" ist das erste Medium von First Look, unter der Internetadresse https://firstlook.org/theintercept/. Diese Seite soll zunächst einmal die Enthüllungen auf Basis der Snowden-Unterlagen fortführen, kündigten die drei Gründungsmitglieder des neuen Mediums am Montag an.

Das Medium soll aber in der Folge auf breiterer Basis aufdecken und enthüllen - etwa zu Themen wie Korruption, Justizmissbrauch, Verletzung bürgerlicher Freiheiten und soziale Ungleichheit.

Öffentliche Verantwortung

Die langfristige Mission von The Intercept beschreiben die Gründer als "furchtlosen, konfrontativen Journalismus" in redaktioneller Unabhängigkeit. Ihre Mitarbeiter sollten ihre Stories "ohne Rücksicht darauf veröffentlichen, wen sie damit verärgern oder vor den Kopf stoßen": Wichtigster Wert des Journalismus sei, Regierungen und öffentlichen Stellen zu Transparenz und damit Verantwortung zu zwingen.

Zum Start berichtet The Intercept über Drohnenangriffe auf der Basis elektronischer Überwachung, die zur Tötung Unschuldiger führten. Die Ziele würden oft auf Grundlage von Daten-Auswertung und Handy-Ortung bestimmt. Dabei werde die Identität der Zielperson nicht von Agenten im Einsatzgebiet geprüft. Der Bericht bezieht sich auf Informationen von Beteiligten, Snowdens Unterlagen bestätigten dies. Greenwald und Poitras haben das erste Interview mit Snowden in Hongkong geführt und bekamen von ihm die NSA-Unterlagen.

Zudem liefert die Plattform neue, hochauflösende Luft-Aufnahmen amerikanischer Geheimdienstzentralen. (red, DER STANDARD, 11.2.2014)

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