Da war man baff im Vorarlberger Landhaus

Blog10. Februar 2014, 12:08
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Top Secret: Eine Mehrzahl der Vorarlberger hat sich in einer Studie für die gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen ausgesprochen

Kühle Rechner seien die Vorarlberger, deshalb wirtschaftlich erfolgreich und sparsam in der  Verwaltung ihres kleinen Landes. Die nächste Generation dürfte mit dem Klischee aufräumen. Ihr fehlt nämlich die Basis fürs Haushalten: Kinder können laut jüngstem Testergebnis nicht rechnen. Bei der aktuellen bundesweiten Erhebung der Bildungsstandards waren die Vorarlberger Volkschülerinnen und -schüler in Mathe am schlechtesten.

Schon vor dem Mathefleck ahnte man im äußersten Westen, dass was falsch läuft in den Schulen. Angriff ist die beste Verteidigung, dachte man sich im Landhaus und rief die flächendeckende Neue Mittelschule aus. Die nannte man dann Vorarlberger Mittelschule, um die Einzigartigkeit zu betonen. Nach Evaluierung durch den Bundesrechnungshof bleibt wenig von der Einzigartigkeit. Wie in den anderen Bundesländern verweigern auch in Vorarlberg die Gymnasiallehrer und -lehrerinnen die Zusammenarbeit.

Ruhe, bitte

Kein Wunder, dass im Landhaus heiß über Schulentwicklung diskutiert wird. Das klingt dann in ÖVP-Statements als hätte man von der Opposition abgeschrieben: "Die Schuldiskussion ist von ideologischen Scheuklappen geprägt." Und: "Es ist mutig und richtig in der Bildungspolitik ohne dogmatische Festlegungen neue Ideen zu formulieren." Für die Formulierung braucht die Volkspartei aber Zeit.  Und die wollte sie sich durch einen strategischen Griff verschaffen: Um im Wahlkampf, Landtagswahl ist am 21. September, nicht in der Schuldiskussion zu versinken, wurde ein Forschungsprojekt in Auftrag gegeben. Bis zur Präsentation der Ergebnisse im Mai 2015 hätte man gerne Ruhe, parteiintern, im Landtag und überhaupt.

Ein Teil der Studie zur "Weiterentwicklung der Sekundarstufe I", umgangssprachlich würde man "gemeinsame Schule" sagen, ist eine breit angelegte Umfrage. 22.880 Lehrerinnen und Lehrer, Eltern, Schülerinnen und Schüler bekamen den Fragebogen zugeschickt. 85 Prozent haben ihn ausgefüllt. Da war man baff im Landhaus. Eine so hohe Rücklaufquote hatte man sich nicht erwartet. Und schon gar nicht eine breite Zustimmung zur gemeinsamen Schule. 72 Prozent sollen sich für eine neue Schule der 10- 14-Jährigen ausgesprochen haben. Diese Zahl ist top secret, wurde aber kürzlich bei einer Zukunftswerkstatt ausgeplaudert. Sehr zum Bedauern der ÖVP: "Rohergebnisse", winkt Landesrätin Bernadette Mennel ab und verweist auf die Studienpräsentation im Mai 2015. Die Opposition freut sich. Für Wahlkampfstoff ist gesorgt. (Jutta Berger, derStandard.at, 10.2.2014)

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