Vier Tage Weltpolitik in New York

10. Februar 2014, 10:19
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Beim Schülerparlament der Vereinten Nationen

Wien - Nein, Herr Obama, wir haben weder terroristische Absichten, noch waren wir zwischen 1933 und 1945 ins NS-Regime involviert. Doch um legal in die Vereinigten Staaten einreisen zu dürfen, muss man so einige absurde Fragen beantworten.

All das nehmen wir gerne in Kauf, um unserem Traum näherzukommen: beim Model United Nations (MUN) in New York vier Tage mit Hunderten Oberschülern aus aller Welt über globale Themen debattieren. Anfang März soll es losgehen, und uns wird allmählich klar, dass wir schon bald am Times Square Selfies machen werden, um Erinnerungen fürs Leben zu sammeln und unsere Freunde auf Facebook und Instagram zu beeindrucken. Wir, das sind 14 Schüler vom Gymnasium in der Hagenmüllergasse.

Um überhaupt beim MUN teilzunehmen, braucht es einiges an Vorbereitung. Zuallererst wurde uns ein Land zugeteilt, das wir in New York als Delegierte eines UN-Komitees vertreten sollen: Turkmenistan. Ihr könnt euch wahrscheinlich vorstellen, dass sich unsere Freude darüber vorerst in Grenzen hielt. Doch nachdem wir zu recherchieren begonnen hatten - teilweise ganz oldschool in Bibliotheken -, fanden wir unser Los gar nicht mehr so uninteressant. Oder wusstet ihr, dass nirgendwo auf der Welt Journalisten stärker zensiert werden als in Turkmenistan? Das Land liegt im Bereich Pressefreiheit auf dem letzten Rang, gleichauf mit Nordkorea und Eritrea.

Unsere Informationen schrieben wir vorab in einem Paper nieder, wobei es stets darauf ankam, die Position unseres Landes zu ausgewählten Themen einzunehmen, also in unserem Fall Klimawandel und Medienfreiheit.

In den nächsten Wochen liegen nun zahlreiche außerschulische Debattierstunden vor uns. Diese sollen uns dabei helfen, nicht die Nerven zu verlieren, wenn wir am 5. März im UN-Hauptquartier vor mehreren Hundert Delegierten unsere Positionen auf Englisch verteidigen müssen.

Bevor wir uns wieder mit einem Bericht aus New York melden, steht für uns erst einmal sparen auf dem Programm. Die Reisekosten von 1500 Euro sind nämlich ganz schön heavy. (Tamara Anderl (16) Ramona Müldner (16), DER STANDARD, 10.2.2014)

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