Lithium ist in der Suizidprävention unterrepräsentiert

10. Februar 2014, 10:25
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Lithium soll neben einer langfristigen stimmungsstabilisierenden Wirkung auch einen rasch einsetzenden antisuizidalen Effekt besitzen

Dresden - Bereits Anfang der 90-iger Jahre wurde nachgewiesen, dass Lithium einen suizidprotektiven Einfluss hat. Seither nimmt diese Substanz einen besonderen Stellenwert in nationalen und internationalen Leitlinien ein und wird zur Stimmungsstabilisierung bei affektiven Störungen verwendet.

"Unsere klinischen Erfahrungen zeigen, dass Lithium nicht nur eine stimmungsstabilisierende Wirkung hat, sondern im akuten Fall rasch suizidprophylaktisch wirken kann. Insbesondere Patienten mit klassischen affektiven Krankheitsbildern wie bipolaren Störungen oder Depressionen können von einer Behandlung mit Lithium profitieren", so Ute Lewitzka, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Leiterin der Arbeitsgruppe Suizidforschung am Uniklinikum in Dresden.

In einer multizentrische Studie sollen nun etwa 250 Patienten eingeschlossen werden, die mittelgradig schwere Depressionen und ein bestimmtes Maß an suizidalen Symptomen aufweisen. "Wir gehen im Rahmen unserer Forschung davon aus, dass die antisuizidale Wirkung von Lithium sofort einsetzt und wollen damit die Akzeptanz des Wirkstoffs auch in der Akutversorgung erhöhen", sagt Lewitzka. Bislang ist Lithium hinsichtlich seiner Verschreibungshäufigkeit im Vergleich zu anderen Psychopharmaka unterrepräsentiert obwohl im Rahmen der Suizidprävention nachweislich Behandlungserfolge mit der Substanz vorliegen.

Rolle des Hausarztes

Die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Dresden engagiert sich seit mehr als 20 Jahren aktiv in der Prävention und bietet zum Thema Suizidalität Fortbildungen für Hausärzte und andere Personen an, die im Rahmen ihrer Profession mit dem Thema konfrontiert sind. Hausärzte spielen im Rahmen der Prävention eine wichtige Rolle, weil suizidale Patienten unter Umständen Andeutungen zu Suizidgedanken machen. Hinweise auf Lebensmüdigkeit oder gar Ankündigungen von Selbstmordabsichten müssen ernst genommen werden. Patienten, die suizidgefährdet erscheinen, sollten an Spezialisten überwiesen werden. Niederschwellige psychosoziale Angebote wie Krisen- und Beratungsdienste oder Telefonseelsorge können Hilfestellungen und Unterstützung in derartigen Lebenskrisen bieten. (red, derStandard.at, 10.2.2014)

 

 

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