Nintendo lässt sich in Wien nieder

Spielehersteller will sich stärker am "wachsenden österreichischen Markt" engagieren - Aus für Partner Stadlbauer

Der japanische Spielhersteller Nintendo lässt sich in Österreich nieder. Wie der Konzern gegenüber dem GameStandard bestätigte, übernimmt ab 1. März ein eigenes Nintendo-Team die Verantwortung für sämtliche Vertriebs- und Marketing-Aktivitäten in Österreich. Das bedeutet gleichzeitig das Ende der seit 1979 bestehenden Partnerschaft mit der Salzburger Vertriebsfirma Stadlbauer.

In eigener Hand

Der neue Firmensitz in Wien spiegele Nintendos verstärkten Fokus auf das Europageschäft wider. "Ein Teil dieser Strategie ist es, dass wir uns stärker auf dem wachsenden österreichischen Markt engagieren wollen. Das wiederum können wir am besten mit einem eigenen Team leisten, das sich zu 100 Prozent dieser Aufgabe widmet", sagt Bernd Fakesch, General Manager Nintendo Deutschland, in einer Stellungnahme. "Die Gründung eines eigenen Büros zeigt, wie wichtig uns Österreich heute und in Zukunft ist", so Fakesch.

In guter Gesellschaft

Mit der Niederlassung in Wien befindet sich Nintendo in bester Branchengesellschaft. So sind hier auch die Konsolenhersteller Sony und Microsoft mit Vertriebs- und Vermarktungsteams zuhause. Zu den weiteren großen Vertretern der Industrie gehört Ubisoft Österreich. Die meisten anderen Videospielherausgeber betreuen den heimischen Markt heute über Agenturen von Deutschland aus. Ob Nintendos Niederlassung in Wien auch als positives Zeichen für die heimische Entwicklerszene gewertet werden kann, wollte man zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht kommentieren. 

Herausfordernde Zeiten

Nach zwei defizitären Jahren in Folge steht Nintendo vor herausfordernden Zeiten. Vor allem die Ende 2012 gestartete Spielkonsole Wii U verkauft sich deutlich schlechter, als erwartet. Wie Konzernchef Satoru Iwata vergangene Woche bekanntgab, wird Nintendo künftig die Entwicklung einer gemeinsamen Softwareplattform für kommende Heim- und Handheld-Konsolen angehen, um die Produktion von Spielen effizienter zu gestalten. Gleichzeitig werde man versuchen, neue Kunden über Mobile-Apps für Smartphones und Tablets für sich zu gewinnen. Für das im März endende Geschäftsjahr rechnet das Unternehmen noch mit einem Verlust von umgerechnet 180 Millionen Euro.

Österreichischer Markt

Das stärkere Engagement auf kleineren aber lukrativen Märkten soll ebenfalls zur Kehrtwende beitragen. Der österreichische Handel meldete im vergangenen Jahr allerdings ein leichtes Minus von knapp vier Prozent gegenüber 2012. 2013 wurden laut Branchenverband ÖVUS mit Konsolen-Hardware sowie PC- und Konsolenspielen rund 234 Millionen Euro umgesetzt. Für Nintendo gibt es jedenfalls noch viel Platz zum Wachsen, größter Wachstumsmotor im Weihnachtsgeschäft waren die neuen Spielkonsolen PlayStation 4 und Xbox One. (Zsolt Wilhelm, derStandard.at, 10.2.2014)

Share if you care