Österreichs Blechnummer bei Stochs Triumph

9. Februar 2014, 22:00
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Ohne Medaille blieb Österreichs Skisprung im ersten Olympiabewerb. Auf der Normalschanze sicherte sich der Pole Kamil Stoch überlegen Gold. Tourneesieger Thomas Diethart landete auf dem vierten Rang

Krasnaja Poljana - Bei der Vierschanzentournee war er an der Favoritenrolle noch deutlich gescheitert, bei Olympia schlug Kamil Stoch aber gleich bei erster Gelegenheit zu. Als erst zweiter Pole nach Wojciech Fortuna, der 1972 in Sapporo auf der Großschanze triumphiert hatte, und im Gegensatz zum großen, kleinen Adam Malysz, der sich dreimal mit Silber zu begnügen gehabt hatte, holte sich Kamil Stoch am Sonntagabend olympisches Gold.

Den Grundstein zum Sieg legte der im Weltcup führende 26-Jährige aus Zakopane schon im ersten Durchgang mit einem Satz auf 105,5 Meter, der ihm einen für Normalschanzenverhältnisse äußerst bequemen Vorsprung von 6,2 Punkte auf den zweitplatzierten Anders Bardal brachte. Während der Norweger im zweiten Durchgang noch den Slowenen Peter Prevc passieren lassen musste, sich aber auch über Bronze freute, segelte Stoch mit 103,5m ins Glück. Die Punkterichter belohnten ihn zusätzlich mit zwei Zwanzigern.

Diethart zufrieden

Der Vierte war, untypisch für Olympia, gar nicht unzufrieden. Er heißt Thomas Diethart, kommt aus Niederösterreich und war der mit 21 Jahren jüngste Mann des Quartetts aus Österreich. Diethart überholte im Finish noch seinen Landsmann Michael Hayböck, der schon mit einer Medaille spekuliert hatte. Der 22-jährige Linzer streute Stoch zwar Rosen ("Man sieht, dass man sich mit großartigen Sprüngen auch auf der kleinen Schanze absetzen kann"), kündigte aber eine Revanche auf der Großschanze an.

Für die Österreicher hatte der Bewerb im RusSki Gorki Jumping Center gar nicht schlecht begonnen. Hayböck bestätigte mit 101 m und der zwischenzeitlichen Führung seine starken Trainingsleistungen, Tourneesieger Diethart ließ sich nicht lumpen, kam auf 99m und lag nur knapp hinter Hayböck. Thomas Morgenstern, dessen Antreten eingedenk seines Sturzes auf dem Kulm vor wenigen Wochen ohnehin an ein Wunder grenzte, schlug sich mit 97,5 m sehr passabel.

Technischer Defekt

Gregor Schlierenzauer, am Samstag mit 104 m noch der Weiteste, stürzte für seine Verhältnisse aber nahezu ab. Der Weltcup-Weltrekordsieger versuchte nach dem Satz auf 96 Meter Haltung zu bewahren, beklagte nur seinen schlechten Sprung. "Wenn man auf der kleinen Schanze nicht gut vom Tisch ist, dann ist man schon geschlagen. Und das war bei mir der Fall." Im zweiten Durchgang mühte sich der 24-jährige Stubaier um Schadensbegrenzung, die mit 101 m auch halbwegs gelang. Am Ende stand für Schlierenzauer aber nur Rang elf zu Buche.

Mitgenommener Schlierenzauer

"Es ist ein bisschen ein Murks drinnen", bilanzierte Schlierenzauer unter Tränen. Ein technisches Problem droht ihm Olympia zu verhageln. Besonders bitter, hatte er doch seinem Anlauf auf das noch fehlende Einzelgold zuletzt alles untergeordnet. Simon Ammann, der Schweizer Doppelolympiasieger von Vancouver, war nach Rang 17 ähnlich enttäuscht. Morgenstern wollte sich über Rang 14 nicht beklagen. "Das waren die beste Sprünge, seit ich wieder auf den Beinen bin." Zwei Gelegenheiten gibt es noch für Medaillen. (lü - DER STANDARD, 10.2. 2014)

ERGEBNIS, Springen von der Normalschanze:

 1. Kamil Stoch (POL) 278,0 Punkte (105,5/103,5 Meter)

 2. Peter Prevc (SLO) 265,3 (102,5/99,0)

 3. Anders Bardal (NOR) 264,1 (101,5/98,5)

 4. Thomas Diethart (AUT) 258,3 (99,0/98,0)

 5. Michael Hayböck (AUT) 258,0 (101,0/98,5)

 6. Andreas Wellinger (GER) 257,1 (96,0/101,5)

 7. Maciej Kot (POL) 255,8 (101,5/98,5)

 8. Noriaki Kasai (JPN) 255,2 (101,5/100,0)

 9. Jernej Damjan (SLO) 254,7 (99,5/101,0)

10. Andreas Wank (GER) 253,4 (101,0/97,0)

Das Resultat im Detail

  • Kamil Stoch strebte in größter Eleganz und  Kampffliegermontur in goldene Weiten.
    foto: ap/schrader

    Kamil Stoch strebte in größter Eleganz und  Kampffliegermontur in goldene Weiten.

  • Thomas Diethart blieb Platz vier, auch nicht schlecht für ein Olympia-Debüt.
    foto: ap/schrader

    Thomas Diethart blieb Platz vier, auch nicht schlecht für ein Olympia-Debüt.

  • Anders Bardal kann es auch hoch. Der silberne Prevc und Stoch sind beeindruckt.
    foto: ap/schrader

    Anders Bardal kann es auch hoch. Der silberne Prevc und Stoch sind beeindruckt.

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