"Tatort": Berliner Allerlei der Tristesse zum Abschied des Cowboys - Top oder Flop?

Ansichtssache9. Februar 2014, 18:34
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"Farewell, Cowboy!": Abschied nehmen heißt es von Dominic Raacke als Berliner Kommissar Ritter - Fällt es schwer?

foto: orf/ard/conny klein

Es ist der letzte Fall, den die Berliner Kommissare Ritter (Dominic Raacke) und Stark (Boris Aljinovic) am Sonntag gemeinsam aufklären - und man kann Raacke nach Ansichtigwerden von "Tatort: Großer schwarzer Vogel" wirklich nicht verdenken, dass er aufhört.

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Ein kleiner Bub kommt da zu Tode, obwohl er doch eigentlich nur spielen wollte. Weil sein Ball im Stiegenhaus aber auf einer vor einer Wohnung abgelegten Briefbombe landet und der Bub unglücklich stürzt, muss er sterben. Die restliche Folge über wird seine Mutter händeringend im Kommissariat sitzen und warten, bis die Ermittler ihr endlich sagen, warum ihr Sohn tot ist.

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Genauso melodramatisch geht es weiter. Berlin ist, wie so oft, auch in diesem Tatort ein tristes Jammertal. Der Mann, dem die Briefbombe galt, ist Nico Lohmann, Moderator einer Radio-Seelsorge-Sendung. Dort trifft sich das Elend der Welt: Gewalttätige Ehemänner, Spielsucht, Schlaflosigkeit (die beutelt Kommissar Ritter höchstpersönlich).

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Auch der Seelsorger selbst hat sein Päckchen zu tragen: Er war einst Leistungsschwimmer, trainiert vom (wie sollte es auch anders sein) dominanten Vater. Bei einem Autounfall, in den Lohmann verwickelt war, stirbt eine Frau mit ihrer Tochter. Weitere Protagonisten in diesem Trauerspiel von einem Tatort: Der Mann, der bei dem Unfall Frau und Kind verlor. Und Lohmanns Ex (von Julia Koschitz mit großen traurigen Augen gespielt), die ihr Kind abtreiben musste.

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Herausgekommen ist so ein streckenweise ziemlich traniges Berliner Allerlei der Tristesse. Nur auf so etwas wie eine schlüssige oder gar stringente Handlung hat man leider vergessen. Auch das ist: traurig. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 10.2.2014)

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"Farewell, Cowboy!" schreibt "Spiegel "Online" zum Abschied von Dominic Raacke als Ermittler. Die Rede ist auch von "zu vielen Einzeldramen, die in sich zerfallen". Das Resümee: "Weniger wäre mehr gewesen."

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Das Urteil von "Focus Online" fällt milder aus: "'Großer schwarzer Vogel' zeigt ein geradezu harmonisches, aber nicht weichgespültes Duo Raacke / Stark. Da hat sich eine echte Männerfreundschaft entwickelt zwischen den beiden. Melancholisch könnte jetzt der Zuschauer werden, der weiß, dass er Abschied nehmen muss."

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Weniger gut urteilt sueddeutsche.de: "Einsamkeit in allen Aggregatzuständen. Kein gutes Zeichen für die Qualität eines Films, wenn man am Ende schreiben muss: Das Beste ist die Musik. In diesem Fall kommt sie von Nick Cave, 'Push the sky away' ist ein unfassbar großartiges Stück. Aber, besser nicht zur Einstimmung schon mal hören. Till Ritter hält nicht, was Nick Cave verspricht."

Was meinen Sie? Top oder Flop? (red, derStandard.at, 9.2.2014)

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