Enns: Hürden auf dem Weg zur Gesundheits-Modell-Stadt

9. Februar 2014, 17:04
1 Posting

Noch heuer, so tönt es aus dem Hauptverband in Wien, soll in Enns ein Modell zur primären Gesundheitsversorgung an den Start gehen. In Oberösterreich steigt man auf die Bremse: Viele Fragen seien noch offen

Enns - Ja, ein Pilotprojekt werde es geben, nein, fertig sei es noch nicht. Harald Schmadlbauer, Sprecher der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse (OÖGKK), steigt auf die Bremse. Vor kurzem präsentierte der Hauptverband der Sozialversicherungsträger in Wien noch seine Vorstellungen zur primären Gesundheitsversorgung am Beispiel von Enns. Dort sollte noch in diesem Jahr Österreichs erstes Modell-Gesundheitszentrum eröffnet werden. "Wichtige inhaltliche Eckpunkte sind noch offen", will Schmadlbauer hingegen nicht über "ungelegte Eier" reden.

Warum dieses neue Grundversorgungskonzept ausgerechnet in der 11.000-Einwohner-Stadt in Oberösterreich entwickelt wird: Das Landeskrankenhaus wurde vor einem Jahr geschlossen, die Stadt befürchtete den Wegfall der medizinischen Erstversorgung. Daraufhin setzten sich Gemeindearzt und Politiker zusammen und erarbeiteten ein Nachnutzungskonzept für das aufgelassene Spital. Doch daraus wurde nichts. Das Krankenhaus wurde abgerissen, der Gesundheitsdienstleister Vamed errichtet ein Reha-Zentrum für Lungenkranke.

Interdisziplinäres Angebot

Allerdings: Das Ennser Konzept zur Primärversorgung war damit nicht vom Tisch. Es soll ein idealtypisches Primary-Health-Care-Modell entwickelt werden. Darunter versteht man, dass in wohnortnahen Gesundheitseinrichtungen Allgemeinmediziner, Therapeuten, Pflegekräfte und Sozialarbeiter in einem Team zusammenarbeiten. Dieses Team soll die Versorgung der Patienten koordinieren und eine umfassende und dauerhafte Betreuung sicherstellen. Das Leistungsangebot umfasst nicht nur die medizinische Grundversorgung, sondern auch Angebote zur Gesundheitsförderung und Prävention sowie pflegerische und sozialarbeiterische Tätigkeiten, so das Grundgerüst des Ennser Modells.

OÖGKK, Ärztekammer und das Land Oberösterreich beteiligen sich an der Umsetzung des Vorhabens, Arbeitsgruppen wurden installiert. Aber nicht nur die Frage der Finanzierung, sondern auch die des Rechtstyps einer derartigen Einrichtung ist noch nicht geklärt. Im Gegensatz zu Gruppenpraxen soll in dem Ennser Zentrum interdisziplinär gearbeitet werden. Diese neuartige Zusammenarbeit, aber auch die Einbeziehung von Sozialarbeitern oder das Zusammenspiel mit den Spitälern werfe im bestehenden Finanzierungssystem (Krankenkassen zahlen niedergelassene Ärzte, Länder wickeln Spitalsfinanzierung ab) noch eine Reihe von Fragen auf, umreißt Schmadlbauer die noch auszuverhandelnden Punkte. Auch die Gespräche mit den bereits in Enns ansässigen niedergelassenen Medizinern und Therapeuten laufen noch. Ebenso ist man noch auf der Suche nach einem Standort für das Zentrum.

Trotz der recht hohen Hürden, die noch zu nehmen seien, werde es das Ennser Pilotprojekt - wenn auch wahrscheinlich nicht heuer - geben, versichert Schmadlbauer. Denn Bund, Länder und Sozialversicherungen beschlossen im Rahmen der Gesundheitsreform den Bundeszielsteuerungsvertrag. Darin ist die flächendeckende Primärversorgung rund um die Uhr ausdrücklich festgehalten. Entsprechende Modelle im Bund sollen 2016 starten. (Kerstin Scheller, DER STANDARD, 10.2.2014)

  • Wer hört hin, wenn sich jemand krank fühlt? Auf diese Frage will man im oberösterreichischen Enns neue Antworten finden.
    foto: apa/helmut fohringer

    Wer hört hin, wenn sich jemand krank fühlt? Auf diese Frage will man im oberösterreichischen Enns neue Antworten finden.

Share if you care.