"Ich spüre eine positve Dynamik"

8. Februar 2014, 16:20
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Der oberösterreichische Ableger der Partei in Pink ist auf der Suche nach Mitgliedern

Linz – Etwas gebangt hat Rainer Hable schon, ob er den Saal mit 200 Sitzplätzen auch voll bekommt. Der Nationalratsabgeordnete und oberösterreichische Landessprecher der Neos hatte Samstag Vormittag im Linzer Wissensturm zum Konvent seiner Partei geladen. Das Programm für die Landtagsswahlen im Herbst 2015 sollte in Angriff genommen werden, und vor allem Mitstreiter für die neue "Bürgerbewegung" gefunden werden. Tatsächlich kamen so viele Interessierte, dass alle Sitzreihen besetzt waren. Sogar Stehplätze gab es kaum noch.

"Mich hat einfach interessiert welche Ideen die Neos haben, ich spüre hier eine positive Dynamik", erklärt ein junge Mutter von drei kleinen Kindern, warum sie gekommen ist. Sich aktiv zu engagieren, das gehe aus Zeitgründen nicht, winkt die Linzerin ab. Auch der angehende Architekturstudent findet die Neos gut, ortet aber ein Problem: die von Hable im Wissensturm angekündigte Parteistruktur: "Wir wollen einen neuen Weg gehen, bei und gibt es keine Orts- und Bezirksparteigruppen. Wir wollen Regionalteams, in denen sich jeder mit seiner Idee und seiner Gestaltungskraft einbringen kann, auch Nichtmitglieder".

Keine "ideologische Etikette"

Damit sich diese Teams nicht verselbstständigen, will der Student "sie in ein Boot holen mit Hilfe des systemischen Konsens-Prinzips" (SK). Sprich bei den Neos, die, wie Hable sagt, "keine Freude mit ideologischer Etikette haben, sondern mit Leuten, die mitbestimmen wollen", sollte nicht das geschehen, was die meisten wollen, sondern was den wenigsten weh tut, bringt der junge Mann das SK-Prinzip auf den Punkt. Wenn er die Chance sieht, diese Methodik  umzusetzen, dann engagiert er sich – im Hintergrund, nicht als Parteimitglied.

Doch genau diese brauchen die Neos, damit sie mit einer Mannschaft bei den Landtagswahlen 2015 antreten können. 150 Mitglieder gibt es derzeit in Oberösterreich, mit 12 sind sie im Jänner 2013 gestartet. Zehn Regionalteams haben sich inzwischen gebildet. Manfred Steiner ist  ein Gründungsmitglied des Welser Teams, mit 70 registrierten Personen eines des größten. Derzeit dreht sich bei Steiner alles darum, Leute zu mobilisieren - mit dem Ziel, den Einzug in den Landtag zu schaffen. Um Stimmen fischen wolle man bei jeder Partei.

Noch im Sommer sahen Meinungsforscher die Neos in Oberösterreich bei zwei Prozent, bei den Nationalratswahlen im September erreichten sie 3,4 Prozent. Und, so ist Hable überzeugt, der Aufwärtstrend gehe weiter. Eine aktuelle Studie des Linzer Imas-Instituts, die im Auftrag der Kronen Zeitung durchgeführt wurde, sieht die Neos derzeit bei sieben Prozent.

Es brauche "neue Köpfe" in der Politik, ist der Landessprecher überzeugt. Landeshautmann Pühringer ist schon 19 Jahre im Amt. Neben ihm, so Hable, "wächst kein Gras mehr" - aufbrausender Applaus der Zuhörer. (Kerstin Scheller, derStandard.at, 8.2.2014)

  • Landeskonvent mit selbstgebackenem Kuchen: Die Neos in Oberösterreich.
    foto: derstandard.at/scheller

    Landeskonvent mit selbstgebackenem Kuchen: Die Neos in Oberösterreich.

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