Das Spiel mit den Spielen

8. Februar 2014, 15:30
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Dass die fünf olympischen Ringe die fünf Erdteile darstellen, ist natürlich kein Zufall

Bei der der ansehnlichen und wohlklingenden  Eröffnungsfeier im spektakulären Olympiastadion namens Fischt (Berg im Kaukasus, 2857 m),  die mit opulenten Bildern von Russlands Geschichte erzählte,  ist es einem ergangen wie den TV-Zuschauern in Russland. Man hat die kleine und mittlerweile weltberühmte Panne versäumt.  Im Gegensatz zu den TV-Zuschauern allerdings wegen Zuspätkommens. Aus fünf Schneeflocken sollten die fünf olympischen Ringe werden, es sind aber nur vier geworden.  Das russische Fernsehen, welches  um 15 Sekunden zeitversetzt übertrug, reagierte flink und spielte die Aufnahmen von der nicht verpatzten Generalprobe ein. Eine ähnliche Geschichte hat sich schon bei den Sommerspielen 2008 in Peking zugetragen. IOC-Sprecher Mark Adams sieht darin kein Problem, manche Stationen hätten sich für diese, manche für jene Variante entschieden.

Vor dem Fischt-Stadion brennt seit Freitagabend die Flamme, entzündet von Wladislaw Tretjak, dem legendären Eishockey-Goalie, dem Mann mit den tausend Händen, der mit der Sbornaja dreimal Olympiasieger wurde, und Irina Rodnina, der dreifachen Olympionikin im Eiskunstlauf, Abteilung Paarlauf. Die beiden sitzen für die Mehrheitspartei Einiges Russland in der Duma. Für etwas mehr Aufregung als das Schneeflockerl sorgte Rodnina im Septrember, als sie US-Prädident Barack Obama und seine Frau Michelle rassistisch beleidigte. Der US-Botschafter in Moskau legte Protest ein. Und nach der Eröffnung  schrieb USA Today: "Es ist keine fünf Monate her, dass Rodnina Präsident Obama verhöhnt hat. Es stellt sich die Frage, ob ihr deshalb die Ehre zuteil wurde, das olympische Feuer zu entzünden."

Als just zum Einmarsch der russischen Mannschaft der Beat von t.A.T.u. gespielt wurde,  gab es nicht wenige ob dieser Finte erstaunte Gesichter. Schließlich hatten sich  die Sängerinnen Jelena Katina und Julija Wolkowa, die 27 Millionen Platten verkauften, immer wieder für die Rechte Homosexueller in Russland eingesetzt.

Dass die fünf olympischen Ringe die fünf Erdteile darstellen, ist natürlich kein Zufall.  Dass just aus jenem, welcher in der oberen Reihe aus der Sicht des Betrachters rechts außen hängt, nichts geworden ist, natürlich schon. Er symbolisiert Amerika. (Benno Zelsacher, derStandard.at, 08.02.2014)

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