Marit Björgen siegt und trauert

8. Februar 2014, 13:32
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Ausnahme-Langläuferin gewinnt Skiathlon - Gedanken nach viertem Karriere-Gold bei Teamkollegin, deren Bruder verstarb

Krasnaja Poljana/Sotschi - Marit Björgen hat bei den Winterspielen in Sotschi zum Auftakt der Skilanglauf-Wettbewerbe ihre vierte olympische Goldmedaille gewonnen. Mit 33 Jahren und 324 Tagen avancierte die Norwegerin zur ältesten weiblichen Einzel-Olympiasiegerin im Langlauf.

Björgen, die schon in Vancouver 2010 dreimal triumphiert hatte, gewann den Skiathlon über jeweils 7,5 km im klassischen und freien Stil mit 1,8 Sekunden Vorsprung vor Charlotte Kalla. Die Schwedin hatte kurz vor dem Ziel den entscheidenden Angriff gestartet und die fünfköpfige Spitzengruppe gesprengt, nur Björgen konnte mitgehen. Am Ende war gegen Björgens Antritt aber kein Kraut gewachsen.

Bronze ging vor 10.000 Zuschauern auf einem äußerst selektiven Kurs an Björgens Teamkollegin Heidi Weng, die 13,2 Sekunden zurücklag. Mitfavoritin Therese Johaug, ebenfalls Norwegen, musste sich mit Platz vier zufrieden geben.

Als beste Österreicherin landete Teresa Stadlober (+3:05,2 Min.) auf dem 37. Platz, die an Krämpfen leidende Katerina Smutna (+3:59,2) kam nicht über Rang 46 hinaus. Smutna machte die relativ warme Witterung für ihr Probleme verantwortlich: "Bei solchen Verhältnissen habe ich immer Probleme."

Björgen, auch hochdekorierte zwölffache Weltmeisterin, schob sich nach ihrem neuerlichen Gold auf Platz 13 in der Rangliste der erfolgreichsten Winter-Olympioniken. Es ist davon auszugehen, dass sie im weiteren Verlauf der Spiele ihre momentane Ausbeute von 4 x Gold, 3 x Silber und 1 x Bronze weiter aufstocken wird.

In den Triumph mischte sich Trauer

"Mein Ziel war eine Goldene, deshalb kann ich es jetzt ein wenig entspannter angehen", stapelte Björgen tief. Das hatte auch damit zu tun, dass die norwegische Mannschaft eine schwere Zeit zu durchleben hat. Am Freitag war der Bruder von Teamkollegin Astrid Jacobsen unerwartet verstorben. Bei der Flower Ceremony weinte Björgen: "Meine Gedanken sind bei Astrid und ihrer Familie, es ist unglaublich schmerzhaft. Der Tag gestern war unglaublich hart, aber Astrid wollte, dass wir an den Start gehen", sagte die Ausnahme-Athletin.

Im Athletenzelt hinter der Ziellinie lagen sich die vier Norwegerinnen um Björgen schluchzend in den Armen und spendeten sich Trost. Das Ergebnis eines packenden ersten Rennens geriet da zur Nebensache. "Es ist unglaublich schwer für alle von uns. Man findet in diesen Situationen schnell heraus, dass die Skier nicht das Wichtigste im Leben sind", sagte Johaug.

Stadlober hatte mehr im Sinn

Stadlober war mit ihrem Auftritt nicht zufrieden, sie hatte mit einem Top-20-Platz spekuliert. "Es war zäh, vor allem der Klassikteil. Aber auch im Skating habe ich ohne Gruppe nichts mehr gutmachen können, die Runde ist einfach extrem schwer. Mit dem 37. bin ich nicht zufrieden", sagte die 21-Jährige. (red - 8.2. 2014)

Ergebnis Skilanglauf, Damen-Skiathlon (7,5 km klassisch/7,5 km Skating): 1. Marit Björgen (NOR) 38:33,6 Minuten - 2. Charlotte Kalla (SWE) +1,8 Sek. - 3. Heidi Weng (NOR) 13,2 - 4. Therese Johaug (NOR) 14,6 - 5. Aino-Kaisa Saarinen (FIN) 15,3 - 6. Justyna Kowalczyk (POL) 56,1 - 7. Kerttu Niskanen (FIN) 1:01,7 Min. - 8. Jessica Diggins (USA) 1:31,9 - 9. Emma Wiken (SWE) 1:33,6 - 10. Masako Ishida (JPN) 1:34,7. Weiter: 37. Teresa Stadlober (AUT) 3:05,2 Min. - 46. Katerina Smutna (AUT) 3:59,2

  • Geschafft: Marit Björgen, Charlotte Kalla und Heidi Weng (von vorne nach hinten) liegen im Ziel flach.
    foto: apa/schlager

    Geschafft: Marit Björgen, Charlotte Kalla und Heidi Weng (von vorne nach hinten) liegen im Ziel flach.

  • Auf dem Siegespodest brach sich bei Björgen und Weng die Trauer um den verstorbenen Bruder einer Teamkollegin Bahn.
    foto: apa/ap/lovetsky

    Auf dem Siegespodest brach sich bei Björgen und Weng die Trauer um den verstorbenen Bruder einer Teamkollegin Bahn.

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