Westliche Jihadisten: Syrischer Kollateralschaden

Kommentar7. Februar 2014, 19:20
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Die Altlasten Syriens werden die Welt noch lange nach dem Konfliktende beschäftigen

Syriens Vizeaußenminister Faisal Mekdad nennt es ein "Schisma": wie europäische Politiker offiziell und europäische Geheimdienste inoffiziell über Syrien sprechen. Mekdad, Vertreter des Assad-Regimes, wird übertreiben, wenn er den Strom von westlichen Geheimdienstvertretern nach Damaskus beschreibt, die beim Regime Informationen über ihre als Jihadisten kämpfenden Bürger suchen. Aber dass es sich dabei um ein real existierendes Problem handelt, leugnet niemand. Syrien ist zum Tummelplatz von Radikalen aus aller Herren Länder geworden, die zumindest teilweise nach Kriegsende dorthin, von wo sie ausgezogen sind, zurückkehren werden. 

Dass das Assad-Regime selbst den Gutteil der Schuld an der Konfessionalisierung des Konflikts trägt, gehört dazugesagt; nützen wird diese Erkenntnis wenig. Diese Wendung im Konflikt – die bereits früh abzusehen war, aber im Jahr 2013 evident wurde – bedeutet auch mehr als nur Köpferauchen bei westlichen Verfassungsschützern: Sie hat auch eine Strategiewende der Supermacht USA in Syrien gebracht. Auch wenn man es könnte, würde man heute ­Assad nicht mehr leichtfertig aus dem Weg räumen.

Die Altlasten Syriens werden die Welt noch lange nach dem Konfliktende, das nicht abzusehen ist, beschäftigen. So groß das westliche Problem ist, die Nachbarländer Syriens sind noch viel exponierter. Was momentan in Ägypten zu beobachten ist, könnte der erste Ausläufer eines syrischen Terrorismus-Kollateralschadens sein. (DER STANDARD, 8.2.2014)

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