Olympisches Denkmal mit Makel

7. Februar 2014, 19:24
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Eisschnellläuferin Claudia Pechstein könnte die älteste Olympiasiegerin der Geschichte werden

Lange Zeit lief alles glatt in der sportlichen Karriere der deutschen Eisschnellläuferin Claudia Pechstein. 1992 in Albertville gewann sie als 19-Jährige ihre erste Olympia-Medaille. Zwei Jahre später holte sie in Lillehammer erstmals Gold. Zwischen 1998 und 2006 folgten vier weitere Goldene. Insgesamt brachte es die Berlinerin auf neun Olympia- und 39 WM-Medaillen. Zwischen 2008 und 2011 tut sich eine Lücke in Pechsteins langer Erfolgsliste auf. Es war die Phase, in der die Karriere der Berlinerin einen Makel erfuhr.

Aufgrund eines indirekten Dopingnachweises (erhöhte Blutwerte) wurde die Deutsche 2009 für zwei Jahre gesperrt. Pechsteins Kampfgeist, der sie über Jahre hinweg auf der Eisschnelllaufbahn ausgezeichnet hatte, war fortan auf juristischer Ebene gefragt. Sie bekämpfte ihre Sperre vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne - erfolglos. Vor dem Schweizer Bundesgericht erkämpfte sie sich schließlich die Starterlaubnis für den Weltcup im Dezember 2009 in Salt Lake City, wo sie sich für die Olympischen Spiele in Vancouver qualifizieren wollte. Sie scheiterte. Im März 2010 wurde Pechstein eine vererbte Blutanomalie - eine Erklärung für die erhöhten Werte - attestiert. Pechstein klagte wegen während der "Unrechtssperre" entgangener Preis- und Sponsorengelder auf Schadenersatz.

In ihrem 2010 erschienenen Buch "Von Gold und Blut" schildert die 41-Jährige ihre Erfahrungen ihres Lebens "zwischen Olymp und Hölle". In Sotschi will sie wieder den Olymp erklimmen. Am Sonntag gilt sie über 3000 Meter als Mitfavoritin. Gewänne sie in Russland Gold - Pechstein startet auch über 1500 und 5000 Meter - wäre sie mit knapp 42 Jahren die älteste Olympiasiegerin in der Geschichte der Winterspiele. Zudem könnte sie als erste Athletin bei sechs verschiedenen Spielen Edelmetall gewinnen. Die erfolgreichste Eisschnellläuferin bei Olympia, sowie Deutschlands erfolgreichste Olympia-Sportlerin ist sie bereits. (Birgit Riezinger, DER STANDARD, 08./09.02.2014)

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    foto: apa/epa/hanschke
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