Die Schönheit

Kolumne7. Februar 2014, 18:11
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Von den Problemchen im olympischen Umfeld

Nicht überall, wo man hinschaut in Sotschi und Umgebung, ist es schön. Der Blick vom Balkon des Hotelzimmers am Freitag in der Früh war jedenfalls bemerkenswert. Geradeaus die verschneiten und von der Sonne angestrahlten Berge des Kaukasus, rechts das Meer. Der Blick vom Balkon ins Hotelzimmer ist nicht ganz so spektakulär, aber die Tapeten sind nagelneu. Den Blick zu senken lohnt nicht, denn der Teppich war verlegt worden, ehe der Tapezierer mit seiner Arbeit begann.

Aber im Großen und Ganzen kann man nicht klagen, wie es Kollegen zu Recht tun. Einer erzählt, dass es für ihn zwar kein Problem ist, dass das Wasser nur kalt aus der Leitung rinnt. Er kann sich halt nicht daran gewöhnen, dass es gelb ist. Ein anderer war übernachtig, weil er, der handwerklich Versierte, die Nacht damit verbrachte, die Toilette zu reparieren. Erfolgreich. Abgesehen davon hat das Hauptpressezentrum, das bei Olympischen Spielen auf den Namen MMC (Main Media Center) zu hören pflegt, 20.000 Quadratmeter. Die vier Säle, in denen die Pressekonferenzen stattfinden, hören auf die Namen Alexander Puschkin, Leo Tolstoi, Fjodor Dostojewski und Anton Tschechow, doch es ist nicht sicher, ob das etwas nützt.

Dass es nur Bankomaten jenes Kreditkartenunternehmens gibt, welches die Spiele sponsert, ist zwar ärgerlich, liegt jedoch nicht an Sotschi, sondern am Internationalen Olympischen Komitee. Dass es beispielsweise eine Apotheke gibt oder eine Wäscherei, ist praktisch.

Und sogar jenen, die den Blick in den Spiegel nicht ertragen, kann geholfen werden im MMC, in dem auch ein Schönheitssalon zu Hause ist. (Benno Zelsacher, DER STANDARD, 08./09.02.2014)

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