Kein Atommüll an Oberösterreichs Grenze

7. Februar 2014, 18:05
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Möglicher Endlagerstandort nahe Oberplan für Tschechien keine Option mehr

Linz, Prag - Die tschechisch-oberösterreichische Grenzregion wird künftig nicht an Ausstrahlung gewinnen. Die Behörde für die Deponierung von Atommüll (Súrao) mit Sitz in Prag hat offensichtlich die Pläne verworfen, den staatseigenen Truppenübungsplatz Boletice - 18 Kilometer von der oberösterreichischen Grenze entfernt am oberen Teil des Moldaustausees - zu einem atomaren Endlager zu machen. Zumindest findet sich Boletice nicht mehr auf der Liste möglicher Standorte. Bestätigt hat das tschechische Energieministerium dies Oberösterreichs Umweltlandesrat Rudi Anschober: "Auf meine Anfrage kam aus Prag die Antwort, dass Boletice in den ausgewählten Standorten aufgrund des ungeeigneten geologischen Untergrunds nicht mehr umfasst ist."

Gegen das mögliche atomare Endlager nahe der kleinen Stadt Oberplan (Horní Planá) - dem Geburtsort von Adalbert Stifter - hatte sich ab 2010 im Dreiländereck massiver Widerstand geregt. 111 Mühlviertler Euregio-Gemeinden verabschiedeten eine gemeinsame Resolution gegen das geplante Atomlager im Naturschutzgebiet. Und selbst in Tschechien, wo man Atomkraftwerke viel weniger als Bedrohung sieht, hält man ein Endlager vor der eigenen Haustüre für verzichtbar.

Breiter Widerstand

"Diese Entscheidung über das Aus des Standorts Boletice ist ein großer Erfolg für Oberösterreich. Wir werden aber weiterhin wachsam bleiben und den Widerstand gegen weitere Standorte in Tschechien unterstützen", zeigt sich Anschober kämpferisch.

Helfen soll dabei auch eine Studie der Linzer Johannes-Kepler-Universität. Am 6. März werden die wissenschaftlichen Untersuchungen zur rechtlichen Lage in Tschechien bezüglich der Endlagerdebatte präsentiert. Die von Niederösterreich und Oberösterreich beauftragte Studie soll umfassend die Rechtspositionen und rechtliche Handlungsanleitungen für die beiden Länder betreffend den Genehmigungsverfahren zum Atommüllendlager in Tschechien untersuchen.

Drei der angedachten Standorte liegen in Grenznähe zu Niederösterreich. In den betroffenen Gemeinden im Waldviertel gibt es ebenfalls schon länger Proteste. Im "Rennen" für potenzielle Standorte ist etwa ein Gelände nahe der Ortschaft Lodherov, die wiederum nur 30 Kilometer von Litschau (Bezirk Gmünd) entfernt liegt. Auch der Sicherheitsabstand von Budisov und Rohozna-Ruzena zu Niederösterreichs Nordgrenze ist mit jeweils rund 50 Kilometern überschaubar.

Brennstäbe in Containern

Da Tschechien derzeit kein Atommüll-Endlager hat, werden derzeit die abgebrannten Brennstäbe in Containern in Zwischenlagern an den AKW-Standorten Temelín und Dukovany gelagert. Das Problem dabei ist, dass der Atommüll so für eine sehr lange Zeit zwischengelagert werden muss, weil eine endgültige Entsorgung in einem Endlager erst nach 2065 geplant ist. (mro, DER STANDARD, 8.2.2014)

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