Die Sprungschanzen und das Meer

7. Februar 2014, 17:23
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Am Sonntag springen die Herren um Medaillen auf der Normalschanze. Die Sportanlage hat schon vorher einige Geschichten geliefert. Die Österreicher sind äußerst hoffnungsfroh. Und der Schweizer Simon Ammann könnte seinen Rekord ausbauen.

Bis zum 17. Februar werden sie wohl oben bleiben, die Sprungschanzen auf dem Hang über Krasnaja Poljana, 50 Kilometer vom Schwarzen Meer entfernt. An diesem Tag soll der letzte einschlägige Olympiabewerb stattfinden, das Mannschaftsspringen von der Großschanze. "In zehn Jahren", beliebt Gian-Franco Kasper, der Präsident des Internationalen Skiverbandes (Fis) zu scherzen, "werden die Schanzen nicht mehr oben am Berg stehen, sondern unten am Meer."

Das ist vermutlich übertrieben, aber der Hang rutscht. Die Schanzen stellten offenbar das größte Problem dar beim Aus-dem-Boden-Stampfen der Sportanlagen, sie kosteten 230 statt wie ursprünglich geplant 30 Millionen Euro, und sie kosteten Herrn Achmed Bilalow den Job. Präsident Wladimir Putin war nämlich gar nicht erfreut, als er vor einem Jahr die Olympiabauten inspizierte und die Schanzen immer noch nicht fertig waren. "Der Typ ist Vizepräsident des Olympischen Komitees und lässt solche Verzögerungen zu? Gute Arbeit!", sagte Putin, ließ es im Fernsehen übertragen und enthob Bilalow seines Amtes.

Die Schanzen

Die Schanzen sind dann, mit nicht einmal zweieinhalb Jahren Verspätung, tatsächlich fertig geworden. Und am Sonntag (18.30, Liveticker auf derStandard.at) springen die Herren auf der Normalschanze, die im Gegensatz zur großen schon lange in Betrieb ist, um Medaillen. Bei der Generalprobe im Dezember 2012 siegten einmal Gregor Schlierenzauer und einmal Andreas Kofler, den Damenbewerb gewann Daniela Iraschko-Stolz gemeinsam mit der Französin Coline Mattel.

Iraschko-Stolz ist am Dienstag an der Reihe. Kofler verpasste in den Trainings die interne Qualifikation für Sonntag, dem freilich am Samstag noch die externe vorausgeht. Für Österreich springen Schlierenzauer, gegenwärtig Vierter im Weltcup, und Thomas Diethart (9.), die sich dank ihrer TopTen-Positionen die Quali schenken dürfen. Thomas Morgenstern (11.) und Michael Hayböck (23.) müssen am Samstagabend unter die Top 40 springen, was kein Problem darstellen sollte. Die beiden begnügten sich mit dem Training am Donnerstag und ließen die Übung am Freitag aus. An diesem flog der Pole Kamil Stoch am weitesten (103 m), auch Diethart (101,5 m) und Schlierenzauer (101 m) überzeugten.

Abgesehen davon ist Diethart noch immer nicht so richtig überzeugt davon, dass er heuer rund um den Jahreswechsel die Vierschanzentournee gewonnen hat, obwohl das bereits einen guten Monat her ist. "Das ist immer noch wie ein Traum", sagt der Niederösterreicher, "das setzt sich nicht so schnell." Und dass er nun hier in Sotschi ist, sei auch irgendwie ein Traum. Schließlich durfte er erst im Dezember erstmals im Weltcup wirken, qualifizierte sich für die Tournee, um in Garmisch-Partenkirchen und Bischofshofen zu gewinnen und den Gesamtsieg davonzutragen.

Der Spaß

"Im Springen geht es oft sehr schnell. Dabei ist vom Technischen und vom Körperlichen gar nicht viel Unterschied zur vergangenen Saison. Jetzt will ich mein Konzept weiterführen", berichtet der 21-Jährige, der der Meinung ist: "Wenn du Spaß am Skispringen hast, dann kommen die Ergebnisse von selber."

Das hofft auch Morgenstern, der erleichtert war nach dem weitesten Satz am Donnerstag (99,5 m). "Das hat sich schon ganz gut angefühlt", sagte der dreifache Olympiasieger, der die spezifisch interessierte Welt insofern verblüfft, als er vor vier Wochen beim Sturz auf dem Kulm ein Schädel-Hirn-Trauma und eine Lungenquetschung erlitten hatte und jetzt seine dritten Spiele genießt.

Seine bereits fünften Spiele genießt Simon Ammann, der sowohl 2002 in Salt Lake City als auch 2010 in Vancouver Gold auf der kleinen und der großen Schanze gewonnen hat. Mit vier Einzelsiegen ist der 32-Jährige einschlägiger Rekordler und erfolgreichster Schweizer bei Olympischen Winterspielen. "Ich bin wegen des Skispringens da, nicht wegen der Medaillen", sagt er, der Spaß am Skispringen hat. (Benno Zelsacher aus Sotschi, DER STANDARD, 8.2.2014)

  • Olympische Ringe führen bei Simon Ammann zu Fokussierung. Je zweimal Gold gewann der Schweizer in Salt Lake City und Vancouver. Vorher (Nagano) und dazwischen (Turin), war er unter ferner sprangen.
    foto: apa/ap/schrader

    Olympische Ringe führen bei Simon Ammann zu Fokussierung. Je zweimal Gold gewann der Schweizer in Salt Lake City und Vancouver. Vorher (Nagano) und dazwischen (Turin), war er unter ferner sprangen.

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