Camerons Emotionen gegen schottische Unabhängigkeit

7. Februar 2014, 17:06
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London wird langsam unruhig

London - Im Kampf gegen die Unabhängigkeit Schottlands zieht der britische Premierminister David Cameron neue Register. In einem emotionsgeladenen Appell an alle Briten rief er am Freitag zur Einheit auf. "Gemeinsam haben wir eine größere Bedeutung in der Welt", sagte er im Radsportzentrum der Olympischen Spiele in London.

Dort hatten 2012 auch schottische Sportler wie der Radrennfahrer Chris Hoy mehrere Goldmedaillen für Großbritannien geholt. Schottland stimmt am 18. September über seine Unabhängigkeit ab. Die Umfragen sehen die Befürworter derzeit bei etwa einem Drittel. Allerdings sind ein Viertel der Wähler noch unentschlossen. Bei der letzten Wahl zum Regionalparlament hatte die Schottische Nationalpartei entgegen allen Umfragen die absolute Mehrheit errungen und stellt nun allein die Regionalregierung in Edinburgh. So wurde das Referendum erst möglich.

Atomwaffenarsenal

Experten in Großbritannien gehen davon aus, dass die negativen Folgen einer schottischen Unabhängigkeit für den Rest des Landes größer sein könnten als für Schottland selbst. Großbritannien müsste sein gesamtes Atomwaffenarsenal, das gegenwärtig in Schottland stationiert ist, verlegen und würde einen Teil seiner Armee verlieren. Wirtschaftlich würden die Einnahmen aus dem Nordseeöl fehlen. Der politische Einfluss in der Welt und in Europa könnte schwinden.

Um dies zu vermeiden, schaltet sich Premierminister David Cameron aktiver in den Kampf um Stimmen in Schottland ein. Einem Bericht der "Financial Times" zufolge plant er in den nächsten Monaten mehrere Besuche in Schottland und will dort auch eine Kabinettssitzung abhalten. Vorausgegangen waren Vorwürfe aus der eigenen Partei, die Kampagne zum Erhalt der Einheit Großbritannien, für die der frühere Schatzkanzler und Labour-Politiker Alistair Darling verantwortlich zeichnet, sei "komatös".

Cameron hatte bisher bewusst versucht, die in Schottland unpopuläre Tory-Partei aus dem Stimmenkampf im Norden weitgehend herauszuhalten und lehnt derzeit auch ein Fernsehduell mit dem schottischen Ministerpräsidenten Alex Salmond ab. Zwischenzeitlich wechselte Cameron auch im Schottland-Ministerium die Pferde und ersetzte Michael Moore durch den kantigeren Amtsinhaber Alistair Carmichael. (APA, 7.2.2014)

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