Capoeira für Stefan Zweig

7. Februar 2014, 18:33
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Stefan Zweigs "Die Welt von Gestern" am Schauspielhaus: Teil 3 der Serie führt nach Brasilien, wo sich der Dichter das Leben nahm

Wien – Der Candomblé-Tanz gehört zum Ritus der gleichnamigen afrobrasilianischen Religion. Dieser wird praktiziert in der Annahme, ein jeweiliger Gott nehme vom Körper eines Gläubigen Besitz, woraufhin dieser auf eine dem Gott entsprechende Art zu tanzen beginne.

So muss man im Nachhinein die Bewegungen deuten, mit denen Performerin Sabina Holzer die dritte Folge der Serie zu Stefan Zweigs Die Welt von Gestern eröffnete. Folge drei basiert nicht wie die vorhergegangenen auf Interviews mit Hundertjährigen und ihren Erinnerungen an die Weltkriege, sondern ist Stefan Zweig und seinem brasilianischen Exil gewidmet.

Umwege auf dem Weg zu mir selbst, so der Titel von Holzers und Jack Hausers Brasilien-Erkundung, beginnt (wie alle Serien-Teile) im Barraum des Theaters, wo an die Wand projizierte Österreich-Memorabilia (von Kriegsbildern bis zum Falco-Porträt) einen historischen Raum aufreißen. Es folgt eine kleine Wanderung der Besucher zu einem bis dahin geheim gehaltenen Ort des neunten Bezirks, mit Bezug zur Geschichte.

Im Hotel Baron

Umwege auf dem Weg zu mir selbst hat tatsächlich einen Umweg genommen über Straßenschlingen, vorbei am „k&k Staatsgymnasium" in der Wasagasse. Auftrag: "Stellen Sie sich vor, Sie seien hier fremd und können die Sprache nicht." Sabina Holzer führt die Gruppe schließlich zum Haus Währinger Straße 12, hinauf zum Hotel Baron in die dritte Etage. Dort werden drei Zimmer wichtig, die äquivalent für jene "Drei Leben" stehen, mit denen Stefan Zweig seine Erinnerungen ursprünglich betiteln wollte: die Zimmer 116 und 117 sowie der kleine Frühstücksraum.

In Letzterem intoniert Hauser an der E-Gitarre den Immigrant Song von Led Zeppelin, und Sabina Holzer tanzt erneut eine Mischung aus Candomblé und Capoeira. Zusammen soll das jenes Gefühl von Fremdsein ausdrücken, und damit den Verlust der "geistigen Heimat Europa", an dem Zweig letztlich zerbrochen ist. Befremdend wirkt das tatsächlich, manchmal auch betulich, leider gewinnt hier auch das Prozedere vor den Inhalten allzu viel Bedeutung. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD, 8./9. 2. 2014)   

Folge 3: 8. 2., 20.30. Folge 4: 13. 2.

  • "Immigrant Song" von Led Zeppelin: Performerin Sabina Holzer und Musiker Jack Hauser befassen sich mit der Exilzeit des österreichischen Schriftstellers.
    foto: schauspielhaus

    "Immigrant Song" von Led Zeppelin: Performerin Sabina Holzer und Musiker Jack Hauser befassen sich mit der Exilzeit des österreichischen Schriftstellers.

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