Also Munchs "Schrei" möchte ich hier nicht haben

9. Februar 2014, 09:00
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Die Schauspielerin und Kabarettistin Nina Hartmann wohnt in einer Zweier-WG in der Wiener Josefstadt

Die Schauspielerin und Kabarettistin Nina Hartmann wohnt in einer Zweier-WG in der Wiener Josefstadt. Wickel mit ihrer Mitbewohnerin gibt 's keine, ganz im Gegenteil, wie Michael Hausenblas erfuhr.

"Ich habe diese Wohnung mitten im 8. Wiener Bezirk vor circa fünf Jahren gefunden. Eine Zeitlang hab ich hier mit meinem Bruder gewohnt, vor zwei Jahren ist an seiner statt eine Freundin, die Staatsopernballetttänzerin Eszter Ledán, eingezogen. Unsere WG funktioniert wunderbar. Wir haben sehr viel Spaß und sitzen am Abend gern mal beisammen. Streit gibt's keinen, was gemacht gehört, wird einfach erledigt. Mit meinem Bruder war das schon was anderes, da wurde oft gnadenlos ums Putzen gestritten.

foto: lisi specht
Nina Hartmann in ihrem Zimmer, wo sie an Texten fürs Kabarett schreibt, Gesangsproben abhält und sich auch zur Nachtruhe begibt.

Eszter und ich jedoch nehmen Rücksicht aufeinander. Natürlich wissen wir beruflich bedingt, was es heißt, wenn die andere am nächsten Tag Premiere hat. Früher einmal hab ich mit fünf Burschen in einer WG gewohnt. Eine wilde Zeit – daran hab ich ganz andere Erinnerungen! Außerdem ist es in einer WG einfach fein, dass man weiß, dass jemand da ist, wenn man mal länger verreist ist. Letztes Jahr zum Beispiel habe ich fast fünf Monate in Brasilien verbracht.

Unsere Mietwohnung misst 90 Quadratmeter und liegt im ersten Stock. Das Haus aus der Jahrhundertwende befindet sich zwischen einem Innenhof und einem großen Garten mit Bäumen. Es ist herrlich, wenn man morgens mit Vogelgezwitscher aufwacht. Und auch die Leute im Haus sind sehr nett. Angeblich gingen hier früher bekannte Dirigenten und Komponisten ein und aus, berichtet meine Nachbarin, die alles über das Haus weiß. Vor Weihnachten hat sie mir mal selbstgebackene Kekse vorbeigebracht. Das sind so die kleinen Freuden.

Wir haben in der Wohnung jeweils zwei Schlafzimmer, die zum Garten hin orientiert sind, dann gibt's das gemeinsame Wohnzimmer mit einem runden Tisch, das Bad, die Küche und den Vorraum. Im Winter ist es ein bisserl finster. Das ist das Einzige, was nicht so passt. Im Sommer hingegen bedeutet mir Wohnen nicht so viel. In dieser Zeit komm ich meistens nur zum Schlafen heim. Sonst ist es mir wichtig, dass es gemütlich ist. Diesbezüglich reichen schon ein paar Pflanzen und Kerzen und gute Musik. Klar bedeutet Wohnen auch Rückzug. Ich denke, das gilt für jeden Menschen, oder? Ich mag es, unter Leuten zu sein, bin dann aber auch wieder ganz gern allein. Ich schreib hier in meinem Zimmer auch meine Texte und halte Gesangsproben ab.

Stilistisch ist diese Wohnung nicht einfach zu beschreiben. Hier herrscht ein Mix. Ich will es gar nicht perfekt. Mich stören auch Flecken oder Kratzer nicht. Die wichtigsten Möbel sind mein Bett, die Bambusbank, der Schreibtisch und auch Bilder, die mich an etwas Schönes erinnern. Also den Schrei von Munch möcht ich nicht in der Wohnung hängen haben.

Klar will ich nicht ewig hierbleiben – sondern auch einmal allein wohnen. Sollte dies in der Stadt sein, würde ich am liebsten hoch oben auf einem Haus eine Wohnung besitzen, eine mit einer großen Dachterrasse! Fiele die Entscheidung aufs Land, so würde ich mir ein Haus vom Lebensgefährten meiner Mutter planen lassen. Er ist Architekt in Tirol. Aber es dürfte definitiv kein 'Lederhosenhaus' sein, wie er und ich die kitschigen Tiroler Bauten nennen. Es müsste offen und mit großen Fenstern sein, und ohne Schnickschnack, vielleicht mit rohem Beton im Wohnraum.

Wo das Haus stehen sollte? Keine Ahnung. Klar, ein Haus am Meer wäre auch schön! Vielleicht in Brasilien? Dort hab ich schon Plätze mit Meer, Dschungel, Tieren und vielen Früchten gesehen, an denen ich mir gedacht habe: 'Wow, hier könnte ich leben!' Ich könnte in einer dramatischen Telenovela mitspielen. Eine Bambushütte würde mir schon reichen. Es müsste wirklich nichts Luxuriöses sein." (DER STANDARD, 8.2.2014)

Nina Hartmann wurde 1981 in Rum in Tirol geboren. Sie absolvierte verschiedene Theater- und Tanzausbildungen wie Jazz & Modern Dance, war Tänzerin bei der Westside Musical Production, studierte am Konservatorium Wien, jobbte nebenbei als Model und wirkte in diversen Film- und TV-Produktionen mit: Soko Kitzbühel, Tatort, Garmisch Cops etc. Mit ihrem ersten Kabarettprogramm unter dem Titel "Gib dem Model Zucker" feierte sie im Kabarett Simpl Premiere. Momentan ist sie mit "Brasil" auf Kabaretttour und schreibt außerdem an ihrem drittem Programm.

Link

nina-hartmann.at

 

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