PR-Ethikrat rügt "Österreich"

7. Februar 2014, 11:37
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Rat sieht Gefälligkeitsberichterstattung und Täuschung der Leser - "Österreich"-Herausgeber Wolfgang Fellner: "Empörend und skandalös", überlegt rechtliche Schritte gegen Ethikrat

Wien - Der PR-Ethikrat rügt "Österreich" wegen Gefälligkeitsberichterstattung und Täuschung der Leserinnen und Leser. In der Salzburg-Ausgabe vom 13. Jänner 2013 hatte die Zeitung auf den Seiten 25 und 26 unter dem Titel "Lehrlings-Offensive" zum Thema Lehrstellen redaktionell berichtet. Die Seiten seien nicht als entgeltliche Einschaltung gekennzeichnet gewesen und hätten sich auch optisch nicht von anderen redaktionellen Inhalten unterschieden, so der Ethikrat. Auf den beiden Seiten seien - in Kästen ohne Kennzeichnung – die Lehrstellenangebote einzelner Arbeitgeber wie Porsche, Ströck, Stadt Wien/Wiener Stadtwerke und Hofer im Detail präsentiert worden.

Der Beschwerdeführer vermutete, "dass es sich hierbei um Gefälligkeitsberichte für Anzeigenkunden handelt. Faktum ist, dass die im redaktionellen Bericht bevorzugt behandelten Arbeitgeber ohne Ausnahme inseriert haben: Das Inserat von Hofer findet sich auf Seite 25, jenes von Ströck auf Seite 26. Porsche schaltet auf Seite 27 ein ganzseitiges redaktionelles Inserat und die Stadt Wien informiert auf den Seiten 28 bis 31 in einer Textinseratenstrecke zum Thema 'Lehre in Wien'", heißt es in einer Aussendung. Die Textinserate von Porsche und der Stadt Wien seien als "Entgeltliche Einschaltung" gekennzeichnet gewesen. Bei den "angeblich redaktionell gestalteten Seiten 25 und 26" sei dies nicht der Fall gewesen.

Spruch und Begründung im Wortlaut

"Der PR-Ethik-Rat schließt sich der Meinung des Beschwerdeführers an und sieht in diesem Vorgehen einen Fall von Gefälligkeitsberichterstattung und damit fehlender Transparenz zwischen kommerziellen Interessen und redaktioneller Berichterstattung. Das Ansinnen, Lehrlingen durch eine entsprechende Berichterstattung zu einer Lehrstelle zu verhelfen, ist löblich. Dabei darf jedoch nicht missachtet werden, dass durch die bevorzugte Behandlung von Inseratenkunden mittels großzügiger (ungekennzeichneter) Erwähnungen im Rahmen der redaktionellen Berichterstattung Leserinnen und Leser über die wahren Zusammenhänge im Unklaren gelassen werden. Der Ethik-Rat vertritt die Meinung, dass in dem Bericht redaktionelle Inhalte von wirtschaftlichen Interessen des Verlags beeinflusst wurden, was gegen die Grundsätze journalistischer Arbeit aber auch gegen ethische Kodizes der Kommunikationsbranche verstößt. Daher kommt auch den Unternehmen eine Mitverantwortung zu."

Fellner: "empörend und skandalös"

Österreich"-Herausgeber Wolfgang Fellner kann die Argumentation des Rates nicht nachvollziehen. "Ich finde es empörend und skandalös. Was 'Österreich' hier gemacht hat, unterscheidet sich in keinem Millimeter von dem, was alle anderen Tageszeitungen auch gemacht haben", hielt er fest. Fellner verwies dabei auf ähnliche Lehrlings-Extras etwa in "Kurier", "Kronen Zeitung" oder "Heute".

Dass Firmen, die ihre Lehrstellen inserieren, zusätzlich in redaktioneller Form vorkommen, sei "durchgängig üblich". Dass aber seine Tageszeitung herausgepickt wurde, verärgert Fellner. "Ich halte das für unerhört, eine Bösartigkeit und extrem wirtschaftsschädigend." Für die Berichterstattung sei "natürlich kein Geld geflossen". Er verlangte vom PR-Ethik-Rat eine öffentliche Entschuldigung innerhalb einer Woche, andernfalls werde man rechtliche Schritte einleiten. "Wir werden uns das nicht gefallen lassen", sagt er. (red, derStandard.at, 7.2.2014/APA)

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