Bulgari: Carla fühlt sich endlich mal normal

9. Februar 2014, 17:52
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Fantastische Geschichten aus der Welt der Werbung. Heute die Kampagne von Bulgari: Was Carla glücklich macht

Jetzt war Carla aber mal erleichtert: Sie war ja doch eine ganz normale Frau.

Gut, sie hatte schon zu ihrer Geburt ein Vermögen mitbekommen, für das die langweiligen grauen Anzugmänner ein langweiliges graues Anzugmännerleben lang schuften mussten – für einen Bruchteil ihres Vermögens, wahrscheinlich. Und sie hatte eine berühmte Halbschwester – nicht ganz so berühmt wie sie selbst, bien sur –, die nette Filme drehte und auch ganz süß spielen konnte, vor allem die verhuschten, hibbeligen, etwas rundlicheren Normalofrauen.

Dann, klar, hatte sie, Carla, in der allgemeinen Genlotterie natürlich noch das große Los gezogen und war mit diesen eisblauen Husky-Augen mitsamt den balkonartigen Wangenknochen knapp darunter ausgestattet worden: danke, Mama, danke, Papa! Sie hatte sich bei den beiden ja auch mit einer beeindruckenden Modelkarriere revanchiert.


Foto: Lukas Friesenbichler

Logo, dass sie mit dieser erstklassigen physischen Grundausstattung jeden Rockstar und jeden Intellektuellen jeden Alters hätte haben können – sie hatte aber selbstverständlich nur die genommen, die sie auch interessierten. Und ihr Gesang erinnerte zwar höchstens an den eines schüchternen Schulmädchens – aber hatte sie dies etwa daran gehindert, dass ihr auch auf diesem Gebiet die Menschen zu Füßen lagen?

Selbst die Wette mit einer adeligen Ex-Internatskollegin zu gewinnen, war für Carla ein Klacks gewesen: Sie würde es nie schaffen, mit der englischen Königin zu dinieren, hatte die schwadroniert. Pah! Sie hatte sich einfach diesen leicht überdrehten, leicht zu übersehenden Spitzenpolitiker geangelt  und, zack, schon hatte Elisabeth sie als Première Dame mit allem protokollarischen Pipapo empfangen. Da hatte diese fade Internatsschnepfe aber geschaut.

Ja, sie war schon etwas besonderes. Aber andererseits – Carla schmunzelte in diesem Moment versonnen – war sie scheinbar doch auch einfach eine ganz normale Frau. Ein paar elegante, glitzernde Klunker an Hand, Hals und Ohr, und sie war glücklich. Oh, Nicolas! Sie durfte nur nicht vergessen, gleich morgen auf diskrete Art und Weise sein Bankkonto wieder auszugleichen. (Stefan Ender, derStandard.at, 9.2.2014)

  • Die Kreativität der Werbebranche ist grenzenlos. Genauso wie die Phantasie unseres Autors Stefan Ender. Er denkt sich an dieser Stelle wöchentlich eine Geschichte zu einer aktuellen Werbekampagne aus. Das Magazin mit dem aktuellen Werbesujet wird fotografiert von Lukas Friesenbichler.

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