Tu, felix Austria, bleibst wie immer lieber ruhig

Kommentar der anderen6. Februar 2014, 18:48
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Wieder einmal hat es Österreich in Sotschi verabsäumt, ein - wenn auch kleines - Zeichen zu setzen. Statt sich mit einer eigenen Meinung zu exponieren, wurde den Sportlern bedeutet, sie sollten besser den Mund halten. Eine verpasste Chance

Als diese Woche der deutsche Skirennläufer Felix Neureuther in der Süddeutschen Zeitung und im ZDF-Morgenmagazin die Stimme erhob gegen Funktionäre, die in Sotschi in Luxushotels untergebracht seien, gegen die Unterordnung der Spiele einzig materiellen Interessen und ja auch gegen Bundespräsident Gauck, der zwar nicht an den Spielen teilnimmt, aber die große Chance vertan hat, dem russischen Präsidenten zu erklären, warum er dies tut, hab' ich mich geärgert. Ziemlich sogar.

Nicht über Neureuther, Gauck oder die ebenfalls nicht zu den Spielen reisende Merkel. Zumindest haben der Präsident und auch die Kanzlerin den peinlichen Kniefall vorm "GröGaZ", dem größten Gaskassier aller Zeiten, nicht vollzogen. Geärgert habe ich mich über Österreich. Wie geht man hierorts mit der Situation rund um die Olympischen Spiele am Schwarzen Meer um? Am besten gar nicht.

Keine Sportlermeinung

Man will sich ja die seit Ende des Zweiten Weltkriegs aufgrund seiner günstigen geopolitischen Lage auch und vor allem mit den Staaten des ehemaligen Ostblocks aufgebauten Wirtschaftsbeziehungen nicht durch so etwas wie mit eigener Meinung ausgestattete Sportler trüben lassen. "Wir lassen uns zu nichts instrumentalisieren", war unter diesen Umständen noch die annehmbarste Ausrede, als es darum ging, ob eine bekennende homosexuelle Sportlerin die österreichische Fahne trägt. Den Sportlern wurde ausgerichtet, möglichst den Mund zu halten. Tu, felix Austria, kusch! Hirscher oder Vettel werden irgendwann gehen, die Systeme Schröcksnadel oder Ecclestone bleiben bestehen.

Wieder einmal hat es Österreich verpasst, weltpolitisch - wenn auch nur ein kleines - Zeichen zu setzen. Aber "nur kane Wölln". Wenn man den Kopf nicht zu weit raustreckt, kann einem nix passieren. Das letzte Mal, als Österreich meiner Erinnerung nach eine ansatzweise weltpolitische Rolle gespielt hatte, war, als Kreisky die Uno nach Wien holte. Bruno-City verunglimpfte man das Projekt, das der Alpenrepublik bis heute eine Rolle im internationalen Konzert zuteilt. Danach kamen Waldheim und Haider. Sonst nix.

Klar, wenn man meint, für den Rest der Geschichte des Landes reichten Mozart, Sachertorte und Lipizzaner - eh wurscht. Den farblosen Administratoren der einst glanzvollen Leistungen anderer, die die Geschicke des Landes leiten, reicht's ja, wenn Schild, Schlierenzauer und Co ein paar Medaillen nach Hause bringen.

In deren Glanz kann man sich dann wunderbar sonnen. Und Frau Iraschko ist auch wieder eine Heldin. Wenn sie denn was reißt. In Sotschi. (Andreas Weinek, DER STANDARD, 7.2.2014)

Andreas Weinek ist Jurist und lebt seit mehr als 20 Jahren als TV-Manager, Autor und Musiker in Deutschland.

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    foto: gert krautbauer
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    karikatur: michael ferner
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