General Sisis Kandidatur: Der Wunderwuzzi vom Nil

Kommentar6. Februar 2014, 18:16
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Abdel Fattah al-Sisi dürfte zum Präsidenten Ägyptens gewählt werden

Dass die Ägypter und Ägypterinnen ihren frisch gekürten Feldmarschall zum Präsidenten bekommen, dürfte feststehen. Abdel Fattah al-Sisi macht es jedoch spannend und gibt dem "Ruf des Volkes" nur zizerlweise nach - zuletzt im Interview mit einer kuwaitischen Zeitung. Damit stört er aber die für ihn vorgesehene ganz große Inszenierung, was den Armeesprecher (sic!) via Facebook (sic!) am Donnerstag zu einem Dementi veranlasste. Nicht, dass er leugnen würde, dass der Armeechef Präsident werden will, nein, die Richtigstellung ist sozusagen eine ästhetische: Sisi werde seine Entscheidung "vor dem großen ägyptischen Volk klar und direkt" bekanntgeben.

Schon vor Tagen hat die Armee ihr "grünes Licht" für Sisis Kandidatur gegeben, die nicht nur richtig, sondern notwendig sei. Vergebens wartete man darauf, dass vielleicht aus dem Büro des Interimspräsidenten Adly Mansur eine Ermahnung kommen würde, die Armee solle sich doch bitte aus dem politischen Prozess heraushalten, und Herr Sisi würde, wenn er kandidiert, dies als von seinen militärischen Posten zurückgetretener Zivilist tun.

Von solchen Gedankens Blässe ist keiner der Beteiligten angekränkelt, und die begeisterten Sisi-Anhänger schon gar nicht. Was passieren wird, wenn er sich nicht als der Wunderwuzzi erweist, als den sie ihn sehen, will man gar nicht wissen. Auch den zweifelnden Freunden Ägyptens bleibt im Moment nur die Hoffnung, dass er wirklich einer ist. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 7.2.2014)

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