Vatikan weist Uno-Vorwürfe zurück

6. Februar 2014, 17:25
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Bericht entspreche nicht aktueller Situation der Kirche im Umgang mit Missbrauch

Rom – Der Vatikan wehrt sich gegen die Vorwürfe des UN-Kinderrechtskomitees wegen des Umgangs der katholischen Kirche mit sexuellem Missbrauch von Minderjährigen. Der aktuelle Bericht sei in keiner Weise auf dem neuesten Stand und entspreche nicht der aktuellen Situation. "Die Vorwürfe stammen von vor zehn Jahren. Was seither an ernsthaften Bemühungen passiert ist, wird in dem Bericht leider nicht wirklich reflektiert", so Pater Bernd Hagenkorn, Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan.

Erzbischof Silvano Maria Tomasi wies die Vorwürfe als ständiger Beobachter des Vatikans bei der Uno energisch zurück: "Mich erstaunt, dass die Neuerungen der vergangenen Jahre völlig unerwähnt bleiben und nicht berücksichtigt werden." Tomasi hatte sich erst vor zwei Wochen einer Anhörung gestellt: "Das schien mir ein konstruktiver Dialog und ich denke, so sollte es auch weiterhin sein." Er habe den Eindruck, dass der Bericht bereits vorher verfasst worden sei.

Der Vatikan kündigte an, er werde das Papier gründlich auswerten und dann zu allen Details Stellung nehmen, da es sich auch um einen versuchten Eingriff in die katholische Lehre handle. Das betreffe einige Punkte zur Würde des Menschen und zur Ausübung der Religionsfreiheit. In dem Gutachten hatte der Uno-Ausschuss den Heiligen Stuhl unter anderem aufgefordert, seine Einstellung zu Homosexualität, Abtreibung und Empfängnisverhütung zu ändern. Dabei würden "die Kirche und der Vatikan eins gesetzt, als ob es dieselbe Sache wäre. Als ob die Rechtsstruktur Vatikan per Erlass vor Ort alles umsetzen könnte – bis hin zu den Unterrichtsplänen in katholischen Schulen", kritisierte Radio Vatikan. 

Tomasi ortete in dem UN-Bericht "verwirrende Rechtsvorstellungen": "Priester sind ja nicht Funktionäre des Vatikans, sondern Staatsbürger ihrer Länder, deren Rechtsprechung sie unterliegen. Und wenn sie sich des Missbrauchs schuldig machen, müssen sie nach den Gesetzen ihres Landes behandelt und verurteilt werden, nicht nach jenen des Vatikans." Absurd werde der Bericht vor allem dort, wo man eine bestimmte Lesart der Bibel vorschreiben wolle. Dabei seien "Unkenntnis und Idealisierung erkennbar", so Tomasi. (Gerhard Mumelter /DER STANDARD, 7.2.2014)

  • Der Vatikan wehrt sich gegen den Bericht des UN-Kinderrechtskomitees.
    foto: epa/alessandro di meo

    Der Vatikan wehrt sich gegen den Bericht des UN-Kinderrechtskomitees.

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