Devisenskandal: Behörden weiten Ermittlung aus

6. Februar 2014, 17:25
posten

US-Bankenaufseher ermittelt Abgänge auch in Chefetagen

New York / Wien - Im Skandal um die Manipulation von Devisenkursen weiten die US-Behörden ihre Ermittlungen offenbar aus. Der New Yorker Bankenaufseher Benjamin Lawsky habe Einsicht in Unterlagen von Branchengrößen wie der Deutschen Bank, Goldman Sachs und Barclays verlangt, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person am Mittwoch.

Insgesamt habe Lawsky mehr als ein Dutzend Institute im Visier, darunter auch Credit Suisse, Lloyds, RBS, Société Générale und Standard Chartered. Weltweit gehen bereits mehrere Ermittler dem Verdacht nach, dass Banken die Referenzkurse verschiedener Währungen manipuliert haben.

Die Deutsche Bank gehört zu den größten Händlern am Devisenmarkt, auf dem täglich 5,3 Billionen Dollar umgesetzt werden und der seit Monaten von den Behörden durchleuchtet wird. Das Frankfurter Geldhaus erklärte, es arbeite mit den Ermittlern zusammen und werde bei Bedarf disziplinarische Maßnahmen gegen Mitarbeiter ergreifen. Das Institut setzte diese Woche vier Händler der betroffenen Abteilung vor die Tür, darunter auch einen leitenden Mitarbeiter. Der Skandal um manipulierte Wechselkurse hat aber die Branche insgesamt erschüttert. Auch bei der US-Großbank Citigroup verlässt einer internen Mitteilung zufolge ein hochrangiger Währungshändler die Bank. Der Rückzug des in London ansässigen Leiters der Abteilung habe aber nichts mit den Ermittlungen rund um die Manipulation von Währungskursen zu tun, heißt es aus der Bank. Citi ist nach der Deutschen Bank weltweit der Zweitgrößte am Devisenmarkt.

Zu den am meisten genutzten Kursen am Devisenmarkt zählt das "WM/Reuters"-Fixing, das täglich um 16.00 Uhr Londoner Zeit errechnet wird. Dazu nutzt der Informationskonzern Thomson Reuters die Daten zu Handelsgeschäften und Aufträgen aus dem Reuters-System und von Konkurrenten. Dabei werden alle Kurse innerhalb einer "Fixing"-Minute erhoben. Die State-Street-Tochter WM errechnet daraus den Mittelwert als Referenzkurs. Je seltener eine Währung gehandelt wird, desto leichter lässt sich der Preis innerhalb der kurzen Zeitspanne auch von einzelnen Marktteilnehmern bewegen. Investoren und Firmen verwenden diese Referenzkurse zur Bewertung ihrer Devisenbestände und Portfolios. Zudem sind sie Grundlage zur Berechnung vieler Aktien- und Bond-Indizes. (Reuters; red, DER STANDARD, 7.2.2014)

Share if you care.