Selektive Übernahmen statt dem "Deal Fever"

6. Februar 2014, 17:01
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Der Markt für Fusionen und Übernahmen ist zuletzt heißgelaufen. Doch der Erfolg von den Transaktionen ist nicht immer sicher

Wien - Das Fusions- und Übernahmekarussell dreht sich derzeit sehr schnell. Zumindest international. Da machen die Deals vor allem ob der hohen Summen, die den Besitzer wechseln, Schlagzeilen. Google etwa legte 3,2 Mrd. Dollar (2,35 Mrd. Euro) für den Thermostate- und Rauchmelderhersteller Nest hin. Die weltgrößte Brauerei Anheuser-Busch baut die Präsenz am asiatischen Markt aus. Die Belgier kaufen für 5,8 Mrd. Dollar den südkoreanischen Produzenten Oriental Brewery von den Finanzinvestoren Affinity Equity Partners und KKR zurück. Insgesamt, so zeigen es Zahlen von Dealogic, sind seit Jahresbeginn 275 Milliarden Dollar an Transaktionen über die Bühne gegangen, im Schnitt waren die einzelnen Transaktionen sogar um 30 Prozent größer als noch 2013.

Trotz dieser großen Deals ist aktuell ein "Mangel an qualitativ hochwertigen Assets" zu erkennen, sagt Thomas Zottl, Rechtsanwalt bei Freshfields Bruckhaus Deringer. Es gebe derzeit wenige Verkäufer, aber großes Interesse von strategischen Investoren und auch von reinen Finanzinvestoren. "Viele Unternehmen haben in der Krise ihre Hausaufgaben gemacht, Restrukturierungen durchgezogen und sind gut finanziert", erklärt Zottl. Die Hereinnahme eines Partners oder der Verkauf von Anteilen bzw. des ganzen Betriebs, um an frisches Geld zu kommen, sei aktuell in vielen Fällen daher einfach nicht erforderlich.

Wenige Alternativen

Bei Familienunternehmen komme hinzu, dass diese oft in Stiftungen eingebracht seien. Ein Verkauf spüle zwar Geld in die Kasse, das die Stiftung dann auch verwalten muss. Aufgrund des Umfeldes - niedrige Zinsen, Immobilien sind bereits zu teuer, und einen großen Betrag bei einer Bank zu deponieren sei wegen der Unsicherheit der Institute zu riskant - "wissen viele einfach nicht, was sie mit dem Geld tun sollen", sagt Zottl zum Standard.

Seit der Krise hätten sich die Deals aber verändert. "Die Geschäfte laufen nun viel ruhiger ab", erklärt der Rechtsanwalt. Bereits bei der Due-Diligence-Prüfung würde viel genauer hingesehen. Ein wohlüberlegteres Handeln sei erkennbar, denn nun solle bereits im Vorfeld viel mehr aus einem Deal herausgeholt werden. Einzig der Blick auf die Bilanzkennzahlen und Margen reiche nicht mehr. Das ist ein Trend, den Barbara Vrdlovec von der britischen Unternehmensberatung Beyond the Deal unterstützt. Denn das M&A-Geschäft habe sich in den vergangenen Jahrzehnten zwar vervielfacht, an den Ergebnissen habe sich aber nicht viel geändert: "Nur rund die Hälfte der Deals bringt am Ende des Tages den gewünschten Erfolg", sagt Vrdlovec zum Standard. Warum das so ist, hat Beyond the Deal im vergangenen Halbjahr erforscht.

Es sei oftmals die Wichtigkeit der Softfaktoren, die übersehen werde, erklärt die Expertin. "Die prinzipielle Frage, wie ein Unternehmen mit all seinen Bereichen nach der Übernahme integriert werden soll, fehlt nicht selten in den Grundentscheidungen," nennt Vrdlovec nur ein Beispiel.

Fieberhaftes Dealmaking

Erklärbar sei das mit dem großen Druck, der bei Übernahmen entstehe. Oft hänge der Erfolg des Geschäftsführers von einem geglückten Deal ab, die Investmentbanken übten ebenfalls Druck aus, da ihre Bezahlung auch vom erfolgreichen Abschluss eines Geschäftes abhänge. Nicht selten entstehe dabei ein sogenanntes "deal fever", bei dem es nur noch darum gehe, das Geschäft über die Bühne zu bringen. "Es gibt einen Punkt, an dem sich niemand mehr traut, innezuhalten und das Vorhaben noch einmal zu hinterfragen", sagt Vrdlovec.

Hinzu komme, dass jene Personen in einem Unternehmen, die für eine Akquisition zuständig sind, oft nicht diejenigen sind, die die Nachbetreuung durchführen. Am Ende des Tages blieben dann enttäuschte Gesichter zurück, wenn sich herausstelle, dass beispielsweise aufgrund der Datenschutzbestimmungen in einem anderen Land die eigenen IT-Systeme nicht so einfach übertragbar sind. Das schaffe dann Zusatzarbeit und -kosten und erschwere die Fusion.

Der Markt belebt sich derzeit aber auch, weil viele Finanzinvestoren (etwa Private-Equity-Fonds), die Unternehmen gekauft haben, diese weiterverkaufen müssen, um Rendite zu generieren. Dabei zeigt sich laut Zottl, dass immer öfter eine Doppelstrategie gefahren werde. Man bereitet den Ausstieg über die Börse vor, sucht zeitgleich aber auch einen strategischen Investor. Den Ausschlag dafür, wohin das Unternehmen wechselt, gibt aber am Ende der Preis. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, 7.2.2014)

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