"Rechnungslegung ist nicht meine Stärke"

6. Februar 2014, 17:00
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Kretschmer verteidigt Pauschalhonorare für Beratung

Salzburg - Waren die Honorare, die Klaus Kretschmer von den Osterfestspielen bekam, gerechtfertigt? Das wollte der Schöffensenat am zweiten Tag der Einvernahme des Hauptangeklagten, des ehemaligen technischen Direktors der Salzburger Festspiele, klären. Kretschmer wird vorgeworfen, durch Betrug und Untreue die Salzburger Festspiele um 1,5 Millionen Euro geschädigt zu haben.

Ein Anklagepunkt sind die rund 800.000 Euro, die ihm der zweitangeklagte, Ex-Geschäftsführer der Osterfestspiele, Michael Dewitte, für "technische Beratung" überwies. Laut Staatsanwaltschaft hätte Kretschmer das Geld nicht verrechnen dürfen, da ein Kooperationsvertrag zwischen Festspielen und Osterfestspielen bestand. "In meinen Dienstvertrag stand nichts, dass sich meine Tätigkeit auch auf die Osterfestspiele erstreckt", entgegnete Kretschmer. Die Beratung sei eine Nebentätigkeit gewesen, die ihm grundsätzlich erlaubt, aber genehmigungspflichtig war. Dass er sie nicht genehmigen ließ, sei ein "arbeitsrechtliches Problem", sagte sein Anwalt Leopold Hirsch.

Als Honorar sei eine Pauschale von rund drei Monatsgehältern mündlich vereinbart gewesen, sagte Kretschmer. Die jährlichen Pauschalen bewegen sich zwischen 14.000 und 18.000 Euro, einzelne Rechnungen betrugen 60.000 oder 30.000 Euro. Fraglich war für Richterin Daniela Meniuk-Prossinger, warum die Rechnungen immer den Titel der Jahresproduktion trugen:

"Aus buchhalterischen Gründen", erklärte Kretschmer. Aber er habe "allgemeine technische Beratung" geleistet, die nicht auf diese Produktion beschränkt war. "Wie konnte man das dann den einzelnen Produktionskosten zurechnen?", fragte die Richterin. "Das gleicht sich ja über die Jahre aus", antwortete Kretschmer. Gefragt nach einzelnen Rechnungen konnte sich der Angeklagte nicht mehr im Detail erinnern. "Auftrags- und Rechnungslegung ist nicht meine Stärke." (ruep, DER STANDARD, 7.2.2014)

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