Irak: Frauen wegen Verdachts gegen männliche Verwandte gefoltert

6. Februar 2014, 16:22
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Menschenrechtsorganisation dokumentiert tausende Fälle - Ministerium: Vorwürfe übertrieben

Bagdad - In irakischen Gefängnissen werden laut der Organisation Human Rights Watch (HRW) über 4.500 Frauen illegal festgehalten, gefoltert und misshandelt. Die Menschenrechtsorganisation veröffentlichte am Donnerstag einen Bericht, der sich auf Aussagen weiblicher Häftlinge sowie auf Gefängnisärzte und Gerichtsdokumente stützt. Demnach gehören die meisten inhaftierten Frauen der sunnitischen Minderheit an.

Die Insassinnen werden dem Bericht zufolge oftmals nicht wegen Verbrechen inhaftiert, die ihnen selbst vorgeworfen werden. Stattdessen sollen die Frauen häufig zu ihren männlichen Angehörigen befragt werden, die unter Verdacht stehen militante Gruppen zu unterstützen. In einigen Fällen würden Frauen festgehalten, um männliche Verwandte oder die sunnitische Gemeinschaft zu schikanieren, berichtete HRW.

Polizisten vergewaltigen

Die Organisation befragte 27 Insassinnen, die angaben, geschlagen, getreten und sexuell missbraucht worden zu sein - mitunter vor den Augen ihrer männlichen Verwandten. Einige berichteten auch von Elektroschocks. Eine Frau musste demnach an Krücken gehen, weil sie neun Tage misshandelt wurde. Später wurde sie hingerichtet. Ein Angestellter in einem Frauengefängnis sagte zu HRW, es sei üblich, dass Frauen auf dem Weg in die Haftanstalt von Polizisten vergewaltigt würden.

"Irakische Sicherheitskräfte und Beamte verhalten sich so, als würden brutale Misshandlungen von Frauen das Land sicherer machen", erklärte Joe Stork von HRW dazu. Tatsächlich aber führten diese Verbrechen zu einem "tiefsitzenden Zorn" und einem Vertrauensverlust zwischen den irakischen Gemeinden und den Sicherheitskräften. "Alle Iraker zahlen den Preis dafür", erklärte Stork.

Ministerium: "Einzelfälle"

Ein Sprecher des irakischen Menschrenrechtsministeriums räumte gegenüber der BBC ein, dass man weiter daran arbeite, Übergriffe in Gefängnissen zu bekämpfen, bezeichtete die Vorwürfe aber als übertrieben. Es handle sich um Einzelfälle.

Die sunnitische Minderheit im Irak fühlt sich von der schiitisch dominierten Regierung von Ministerpräsident Nuri al-Maliki an den Rand gedrängt und unterdrückt. In den vergangenen Monaten hat die Gewalt im Irak wieder vehement zugenommen. (red/APA, 6.2.2014)

  • Frauengefängnis al-Rusafa in Bagdad
    foto: reuters/saad shalash

    Frauengefängnis al-Rusafa in Bagdad

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