Schonende Untersuchung von Nieren- und Leberschäden bei Kindern

6. Februar 2014, 14:06
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Hochauflösend und schonender als Computer- oder Magnetresonanztomographie - an der Uniklinik Heidelberg wird ein neues Ultraschallgerät getestet

Heidelberg - Das neue Ultraschallgerät "Helx Evolution" liefert sehr genaue Bilder und gleichzeitig Informationen über Gewebeveränderungen in Nieren und Leber. Im Rahmen eines Forschungsprojektes der Universität Heidelberg, wo das Gerät erstmals eingesetzt wird, soll nun überprüft werden, ob dieses Verfahren in Zukunft chronisch nierenkranken Kindern belastende bildgebende Diagnostik oder schmerzhafte Biopsien zum Teil ersparen kann. 

Schonende Untersuchung

Ultraschalluntersuchungen haben in der Kinderheilkunde einen sehr hohen Stellenwert, da sie eine schonende Schnittbilddiagnostik ohne Strahlenbelastung ermöglichen. "Die hohe Auflösung des neuen Geräts erleichtert die Diagnostik deutlich und kann eventuell in Zukunft einige stärker belastende Untersuchungen wie Computer- oder Magnetresonanztomographie ersetzen", sagt Jens-Peter Schenk, Chefarzt der Sektion Kinderradiologie am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin Heidelberg.

Gerade die hochauflösende Computertomographie wird wegen ihrer hohen Strahlenbelastung bei Kindern so selten wie möglich eingesetzt. Kernspin-Untersuchungen dauern mindestens 30 Minuten – besonders den kleineren Patienten müssen dazu Beruhigungsmittel verabreicht, selten müssen sie sogar narkotisiert werden. Eine Ultraschall-Untersuchung dagegen ist in rund zehn Minuten erledigt, ist beliebig wiederholbar und kann im Beisein der Eltern durchgeführt werden. Beruhigungsmittel sind nicht nötig.

Elastographie liefert Zusatzinformationen

Zusätzlich zur üblichen Bildgebung können die Mediziner mit Hilfe des neuen Geräts Gewebeveränderungen in Nieren, Leber oder Schilddrüse besser einschätzen. Solche Veränderungen sind etwa Entzündungen, Vernarbungen oder auch Tumoren. Dazu misst das Gerät die Ausbreitungsgeschwindigkeit der von ihm zuvor erzeugten Schwingungen im Gewebe. Diese Werte geben Hinweis auf die Steifigkeit und damit den Gesundheitszustand des Gewebes: Krankes beziehungsweise vernarbtes Gewebe ist in der Regel weniger elastisch als gesundes.

In einem Forschungsprojekt wollen die Forscher nun bei Kindern mit Nierenerkrankungen prüfen, ob diese sogenannte Elastographie zusammen mit der üblichen Ultraschalldiagnostik und Laborwerten Zusatzinformationen liefert und aufwendige weitere Diagnostik vermeiden kann. Häufig kann das genaue Krankheitsstadium der Niere nur durch eine Biopsie, die Entnahme eines kleinen Gewebeteils mit einer Nadel, festgestellt werden.

Besonders für die Langzeitplanung der weiteren Therapie wie Dialyse und Nierentransplantation ist es wichtig, regelmäßig den Zustand der Nieren zu kontrollieren und zu sehen, in welchem Umfang das Gewebe bereits vernarbt ist. "Wenn wir dank dieser Diagnosetechnik auf einige Biopsien verzichten könnten, wäre das ein Gewinn für die Kinder", so der Kinderradiologe. Gleiches gilt für die Nachsorge einer Transplantation: Hier könnte die neue Diagnosemethode schnell und unkompliziert Auskunft darüber geben, ob chronische Umbauprozesse in Gang sind. (red, derStandard.at, 6.2.2014)

  • Die neue Ultraschalltechnik könnte die Diagnostik von Leber- und Nierenkrankheiten erleichtern.
    foto: universitätsklinikum heidelberg

    Die neue Ultraschalltechnik könnte die Diagnostik von Leber- und Nierenkrankheiten erleichtern.

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