Der lange Lauf im Kaukasus

6. Februar 2014, 16:51
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Bode Miller fixierte auf anspruchsvoller Piste die erste Trainingsbestzeit für die Abfahrt am Sonntag. Bereits am Freitag liefern einander fünf Österreicher ein Wettrennen um zwei Startplätze. Matthias Mayer und Max Franz sind gesetzt.

Mehr als zwei Minuten für einen Olympiasieg im Abfahrtslauf hatte zuletzt Egon Zimmermann arbeiten müssen. Der Arlberger aus Lech, der am Samstag seinen 75. Geburtstag in Sotschi feiert, war anno 1964 in den Alpen, genauer gesagt auf dem Patscherkofel ob Innsbruck, 2:18,16 Minuten lang unterwegs. Im Kaukasus, genauer gesagt im neu geschaffenen Alpin-Center Rosa Chutor ungefähr 60 Kilometer ob Sotschi, ist es wieder so weit.

Im ersten Training bei Prachtwetter war der Beste, der US-Amerikaner Bode Miller, binnen 2:07,75 Minuten um drei Hundertstel einer Sekunde schneller als der Schweizer Patrick Küng und um 17 schneller als der Österreicher Matthias Mayer. Die vom renommierten Schweizer Pistenarchitekten Bernhard Russi, Abfahrtsolympiasieger 1972 in Sapporo, entworfene Strecke ist 3495 Meter lang und weist eine Höhendifferenz von 1075 Metern auf. Der Start befindet sich auf 2045 Meter Seehöhe.

Bei der Generalprobe, der Weltcupabfahrt im Februar 2012, siegte der Schweizer Beat Feuz, der nach einem langen, kniebedingten Leidensweg noch nicht zurück ist, zuletzt in Kitzbühel zweimal stürzte, sich den Knöchel bediente und gestern 50. wurde.

Vor zwei Jahren klagten die Herrschaften in Rosa Chutor fast durchwegs über Knieprobleme wegen der schlechten Pistenverhältnisse. Miller und Ivica Kostelic zogen sich bei einem zu weit gehenden Sprung Verletzungen zu. Der Sprung wurde adaptiert, und über die Pistenbeschaffenheit gab es diesmal ausschließlich lobende Worte.

"Voll angegriffen habe ich nicht", kommentiert Miller, "aber in den Kurven habe ich schon alles gegeben." Und von diesen gibt es reichlich. "Ich habe eine lockere Fahrt runtergelegt", berichtet Mayer, "und es ist cool, wenn man dann trotzdem schnell ist. Es ist schon sehr anspruchsvoll. Gleich nach dem Start geht es sehr viel hin und her, das sind Kurven wie im Super-G. Man muss technisch schon sehr gut fahren, damit man den Speed immer wieder ins Flache mitnimmt. Es gibt sehr viele Übergänge, und die sind das Wichtigste."

Die Leistungen von Mayer und Max Franz (8.) bestätigten die Entscheidung von Cheftrainer Mathias Berthold, die beiden Kärntner fix für das Rennen am Sonntag zu setzen. "Das beruhigt", sagt Franz, der nicht beunruhigt darüber ist, dass er kein "Olympiagefühl" verspüre. "Ich hoffe, das bleibt auch so, dass es für mich ein normales Rennen ist, und ich kann es schön locker runterwedeln." Zum Aufwärmen hatte er sich ein Video seiner Fahrt von 2012 angeschaut. "Ich hätte fast nicht hinschauen können bei meiner Fahrerei. Da hat sich doch einiges geändert. Und das stimmt mich positiv." Franz wurde damals 27. Doch in der verkürzten Kombi-Abfahrt schaffte er den dritten Platz.

Georg Streitberger (19.), Romed Baumann (30.), Otmar Striedinger (31.), Klaus Kröll (34.) und Joachim Puchner (35.) absolvieren heute, Freitag, im zweiten Training ein Wettrennen um die beiden offenen Startplätze. Puchner, der erst wegen des verletzungsbedingten Ausfalls von Kitzbühel-Sieger Hannes Reichelt nach Sotschi mitgenommen wurde, war hier vor zwei Jahren als Sechster Österreichs Bester gewesen. "Ich freu mich auf die Quali", sagt er, "ich kann nichts verlieren. Ich habe ja gar nicht erwartet, dass ich überhaupt dabei bin. Das kann ein Vorteil sein."

Kröll, damals Siebenter, am Ende der Saison Gewinner des Abfahrtsweltcups und heuer seiner Form bisher vergeblich hinterherfahrend: "Das hätte ich mir anders vorgestellt. Aber ich werde es schon meistern. Und wenn nicht, werde ich mich auch nicht am nächsten Baum aufhängen."

Qualifikant Baumann über die olympische Piste: "Sie hat interessante Passagen, aber ein Klassiker ist das nicht. Bei einem Klassiker wie in Kitzbühel oder Wengen war der Berg einfach da und hat den Kurs vorgegeben. Hier ist schon einiges künstlich erschaffen worden."

(Benno Zelsacher aus Rosa Chutor, DER STANDARD, 7.2.2014)

 (Benno Zelsacher aus Rosa Chutor, DER STANDARD, 7.2.2014)

  • Der Luftstand kann sich sehen lassen.
    foto: reuters/rellandini

    Der Luftstand kann sich sehen lassen.

  • Kurven sind überbewertet.
    foto: apa/ap/ena

    Kurven sind überbewertet.

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